Zeiss Distagon 4/18 mm ZM Test – Leica M

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Wenn ich Landschaften, insbesondere Berge fotografiere, dann ist 18 mm meine absolut liebste Brennweite im Weitwinkelbereich.

Nach vielen Tests mit unterschiedlicher Festbrennweiten sind 18 mm für mich perfekt für eine weitläufige Darstellung und zwar ohne, dass Landschaften zu verzerrt dargestellt werden.

Daher war eine 18 mm-Linse eine meiner ersten Anschaffungen für die Landschaftsfotografie, wie ich begonnen habe, mit dem Leica M-System zu fotografieren.

Meine Beweggründe für den Einstieg ins Leica M-System habe ich im Detail hier auf meiner Seite geschildert.

Meine Wahl fiel auf das Zeiss Distagon 4/18 mm ZM, eine Linse, die heute nicht mehr hergestellt wird, aber die man gebraucht noch erwerben kann.

In den Bergen

In den Bergen – mit der Leica M

Für diesen Test habe ich die Linse auf meine Leica M 240 geschnallt und war mit ihr in den Bergen unterwegs.

Im folgenden Beitrag findet ihr meinen praxisnahen Zeiss Distagon 4/18 mm ZM Test.

18 mm im Leica M Universum

Obwohl für mich die universellste Brennweite im Ultraweitwinkelbereich, sind 18 mm im Leica M-Universum eher eine Seltenheit.

Neben dem hier vorgestellten Zeiss Distagon 4/18 mm ZM, das mich gebraucht 800.- gekostet hat, gibt es meines Wissens nur das Leica Super-Elmar-M 1:3,8/18 mm ASPH, das eine sehr hochwertige, aber auch sehr teure Alternative darstellt.

Mit rund 3000.- liegt die Leica-Linse leider jenseits meines Budgets.

Äußerlichkeiten

Das kleine Objektiv, das von Zeiss in Japan gefertigt wird, besteht vollständig aus Metall und ist sehr hochwertig verbaut.

Der Fokusring ist schön schwergängig und hat für mich den perfekten Widerstand.

Eine Gegenlichtblende aus Metal wird ebenso mitgeliefert.

Der Blendenring lässt sich in Drittelstufen verstellen und das Einrasten verläuft knackig und sauber.

Hier passt eigentlich alles!

Hier seht ihr das kleine Objektiv an meiner Leica M 240…

Leica M240 mit Zeiss Objektiv

…und hier umgeschnallt und unterwegs in den Bergen.

In den Bergen 2

Eine Überlappung mit dem Messsucherbild ist vorhanden, fällt aber aufgrund der geringen Größe des Zeiss Distagon 4/18 mm ZM eher gering aus.

Natürlich wird im Messsucher der Leica nicht der Ausschnitt eines 18 mm-Objektives angezeigt, dazu bedarf es entweder die Nutzung des Bildschirmes oder einen externen Sucher.

Codierung an der Leica M 240

Um keine lila Farbsäume wie auf dem folgenden Foto zu bekommen, verwende ich beim Zeiss Distagon 4/18 mm ZM als Objektiv-Erkennung das Elmarit M 1:2.8/21 ASPH-Profil im Leica Menü und habe damit sehr gute Ergebnisse erzielt.

Ohne der Objektiv-Erkennung würden die Fotos aus der Leica nämlich so aussehen.

Hier erkennt ihr vor allem am rechten Rand doch recht deutliche lila Verfärbungen.

Lila Farbsäume Leica M

Lila Farbsäume ohne Codierung

Bildschärfe

Um es gleich auf den Punkt zu bringen, das Zeiss Distagon 4/18 mm ZM ist eine knackscharfe Linse, bereits bei Offenblende von f/4.

Eine tolle Performance!

Zeiss Distagon 4/18 mm ZM Test

Ausgangsbild zur Evaluierung der Schärfe bei f/4

Schaerfe Mitte f4

Gute Schärfe in der Mitte bei Offenblende (100%-Vergrößerung)

Randschaerfe f4

An den Rändern lässt die Schärfe bei f/4 deutlich nach (100%-Vergrößerung)

Bei f/8-11 befindet sich dann das Schärfe-Optimum, ohne dass die Schärfe im Vergleich zu f/4 zu stark zunimmt.

Zu den lichtstärksten Linsen zählt es mit einer Offenblende von f/4 natürlich nicht, aber da man in der Landschaftsfotografie sowieso abblendet ist es für mich kein Problem.

Ein Low-Light Monster ist die Linse definitiv nicht.

Nur die Randschärfe lässt bei f/4 zu wünschen übrig und an den äußersten Rändern geht die Schärfe bei Offenblende verloren. Hier gibt es sicher schlimmer Linsen, aber die Schärfe an den Rändern bekommt bei f/4 keine Preise.

Bei f/5.6 wird es dann merklich besser und bei f/8-11 ist die Randschärfe gut, bevor Beugungseffekte bei kleineren Blenden die Schärfe reduzieren.

Farbdarstellung und Kontraste

Die Farbdarstellung des Zeiss Distagon 4/18 mm ZM ist sehr kräftig und kontrastreich.

Persönlich mag ich die Farbdarstellung der Leica-Linsen etwas lieber, weil sie ein wenig neutraler sind.

Generell lässt sich an der Farbdarstellung aber wenig aussetzen, wie euch die folgenden Bilder zeigen.

Farben Kontraste

Sehr kräftige Farben…

Farbdarstellung 2

…und Kontraste

Zeiss Distagon 4/18 mm ZM

…manchmal schon fast schon etwas zu viel des Guten

Vignettierung und Verzeichnung

Charakteristisch für das Objektiv ist eine auffallend starke Vignette bei Offenblende f/4, die auch beim Abblenden nie wirklich verschwindet.

Ohne Vignette

Starke Vignettierung bei Offenblende, die nie wirklich verschwindet

Mit Vignette

Bild nach Korrektur in Lightroom

Ebenso vorhanden, aber auf den Fotos wahrscheinlich nicht ganz so ersichtlich – zumindest nicht für mich – ist eine tonnenförmige Verzeichnung.

Diese ist zwar merklich da, fällt aber meiner Meinung nach nicht zu stark aus, zumindest nicht auf meinen Landschaftsfotos.

In Lightroom gibt es ein Korrekturprofil für die Linse, das die Verzeichnung gut korrigiert, es allerdings mit der Korrektur der Vignettierung etwas zu gut meint.

Hier werden die Ränder definitiv zu sehr aufgehellt, was ich mit einer Lightroom-Vorgabe und dem Tool „Vignettierung nach Freistellung“ etwas entschärft habe.

Gegenlichtverhalten und chromatische Aberrationen

Betreffend chromatischer Aberrationen verhält sich die Linse wirklich hervorragend.

Nach besten Wissen und Gewissen konnte ich keine übermäßigen lila Farbsäume an den Kontrastkanten entdecken.

Das folgende Bild zeigt eine Vergrößerung einer typischen Aufnahmesituation, in der chromatischer Aberrationen entstehen.

An den Ästen finde ich die Performance wirklich in Ordnung.

Chromatische Abberationen_1

Sehr gute Performance betreffend chromatische Aberrationen

Zuletzt noch ein paar Worte zum Gegenlichtverhalten.

In der direkten Sonne zeigt die Linse einen charakteristischen Flare und – etwas abgeblendet – einen wunderschönen zehnstrahligen Sonnenstern.

Sonnenstern

Charakteristischen Flare…

Flare 2

…und Sonnenstern

Fazit – Zeiss Distagon 4/18 mm ZM Test

Wer ein schönes Ultraweitwinkelobjektiv für seine Leica M sucht, liegt – wie ich finde – mit dem Zeiss Distagon 4/18 mm ZM ziemlich gut.

Nochmal zusammengefasst, die Eigenschaften der Linse:

  • Es ist klein, leicht und Zeiss-typisch hochwertig verbaut.
  • Die Bildschärfe ist bei Offenblende in der Mitte sehr gut, am Rand schwächelt die Linse bis f/8. Bei den „Landschaftbrennweiten“ von f/8-11 ist die Linse scharf von der Mitte bis zu den Rändern
  • Die Linse zeigt eine kräftige, gesättigte Farbwiedergabe mit starken Kontrasten.
  • Eine stärkere Vignettierung ist bei allen Blenden vorhanden, eine tonnenförmige Verzeichnung hält sich in Grenzen.
  • Das Zeiss-Objektiv zeigt eine gute Performance im Gegenlicht und bei chromatischen Aberrationen.

Ich persönlich finde das Zeiss Distagon 4/18 mm ZM eine großartige, aber sicher keine perfekte Linse.

Im Vergleich zum sehr teuren Leica Super-Elmar-M 1:3,8/18 mm ASPH ist es aber eine wirklich kostengünstige Alternative.

Wer es gebraucht erwerben kann, sollte sich – so wie ich – glücklich schätzen und es behalten!

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