Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Test – Leica M

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Test - Leica M

35 mm im Leica M System

35 mm haben sich seit vielen Jahrzehnten als klassische Reportage-Brennweite an einer Messsucherkamera bewährt.

Berechtigt, wie ich finde, denn diese Brennweite erlaubt eine sehr gute Darstellung von Menschen zusammen mit ihrer unmittelbaren Umgebung und ist ebenso eine hervorragende universelle Brennweite.

Nach meinem Einstieg in das Leica M System habe ich mich recht bald auf die Suche nach einer passenden 35 mm-Linse gemacht.

Da mir klar war, dass ich 35 mm mehr als alle anderen Brennweiten verwenden werde, sollte die Linse meiner Wahl die folgenden Eigenschaften erfüllen.

Sie sollte…

  • …eine gute Bildqualität haben.
  • …für eine lichtstarke Linse nicht zu groß sein.
  • …einen angemessenen Preis haben.

Leica selbst bietet hier das klassische Summicron-M 1:2/35 mm ASPH und das legendäre Summilux 1:1,4/35 mm ASPH an.

Beide Objektive sind ebenso optisch perfekt, wie sie teuer sind.

Das Summilux wäre natürlich meine absolute Traumlinse, aber 5000.- für die aktuelle Version sind mir dann doch definitiv zu viel.

Auch Zeiss bietet mit dem Distagon 1.4/35 ZM und dem Biogon 2.8/28 ZM zwei hervorragende Linsen für Messsucherkameras an, jedoch war mir das erstere zu groß und das zweite zu wenig lichtstark.

Alternative zu Leica: Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III

Die japanische Firma Cosina produziert heute unter Namen Voigtländer hochwertige Linsen, die ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis haben und die dementsprechend in der Leica M-Community sehr beliebt sind.

Das lichtstarke Nokton 35 mm 1.2 wird als etabliertes Voigtländer-Objektiv schon in mehreren Generationen produziert.

In der aktuellen Version III ist es deutlich kompakter als seine Vorgänger geworden und war durch die Lichtstärke von f/1.2 und die Größe ein geeigneter Kandidat für meine 35 mm-Linse.

Letztendlich habe ich es mir gekauft und hier folgt nun mein praxisnaher Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Test für das Leica M System.

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Test – Leica M

Äußerlichkeiten

Mir persönlich ist die Ergonomie und Wertigkeit meiner Linsen sehr wichtig. Daher bevorzuge immer Linsen, die aus Metall gefertigt sind, gegenüber Kunststoff.

Das Metallgehäuse des Nokton 35 mm 1.2 fühlt sich wertig an und ist definitiv professionell verbaut.

Der Blendenring, der die Blende in Halbstufen verstellt, rasten treffsicher ein und der Widerstand am Fokusring ist in Ordnung. Ich hätte es gerne noch ein weniger strenger, aber das ist natürlich Geschmacksache.

Für ein 35 mm Objektiv mit Lichtstärke von f/1.2 ist das Objektiv wirklich kompakt, aber als klein würde ich es trotzdem nicht bezeichnen. An meiner schweren Leica M240 wirkt das Objektiv aber nicht sonderlich frontlastig.

Wichtig ist auch noch zu wissen, dass das Objektiv mit dem Messsucherbild überlappt. Die Überlappung ist nicht stark vorhanden, aber merklich wahrnehmbar.

Alles im allen ist das Nokton eine hochwertige Linse aus Metall, die im Sinne der Verarbeitung keine Wünsche übrig lässt.

Bildqualität

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 Codierung an der Leica M

Bevor man mit der Linse arbeitet, sollte man sie manuell codieren. Ich verwende dazu das Summilux-M 1:1.4/35 Profil.

Ansonsten entstehen an den linken und rechten Rändern des Bildes hässliche türkise Farbsäume, die ihr auf dem folgenden Bild gut erkennen solltet.

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 Codierung an der Leica M

Ohne Codierung entstehen Farbsäume

Bildschärfe

Um es auf den Punkt zu bringen, die Bildschärfe ist in der Bildmitte bereits offenblendig sehr gut und etwas abgeblendet auf f/1.4-1.8 wirklich hervorragend. Ich habe selten so ein scharfes Objektiv gesehen.

Hier ein unbearbeitetes Beispielbild, das die Schärfe zeigen soll inklusive vergrößerte Bereiche in der Mitte und am Rand.

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Schärfe

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 – Bildschärfe bei f/1.4

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Schärfe-Mitte

Bildschärfe in der Bildmitte (vergrößertes Bild)

Allerdings sieht es in den Randbereichen offenblendig etwas anders aus.

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Schärfe-Rand

Bildschärfe an Bildrand (vergrößertes Bild)

Zwischen f/1.2-2.8 werden die extremen Randbereiche weicher dargestellt, ab f/4 wird es deutlich besser und bei den für den Landschafts- und Architekturbereich wichtigen Blenden von f/8-11 sind die Randbereiche meiner Meinung nach ausreichend scharf.

Hier seht ihr als Beispiel ein Bild, das bei f/8 aufgenommen wurde.

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III abgeblendet

Leica M 240 mit Nokton 35 mm – f/8, 1/250 s, ISO 500

Wer bei Offenblende schärfere Ränder möchte, der muss sich bei einer anderen Linse umsehen.

Mich persönlich stört es weniger, denn wenn man die Schwächen der Linse kennt, kann man sie vermeiden.

Farbdarstellung und Bokeh

Während ich mit etwas weicheren Rändern am Rand leben kann, sind für mich die Farbdarstellung und das Bokeh die wichtigsten optischen Qualitäten.

Gerade bei diesen zwei Eigenschaften kann das Objektiv punkten und zeigt sehr viel Charakter.

Die Farbdarstellung der RAWs aus meiner Leica M 240 ist kräftig und gesättigt und verleiht dem Nokton 35 mm einen charakteristischen Farblook.

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Farbdarstellung

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Farbdarstellung-2

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Farbdarstellung-3

Kräftige, gesättigte Farbdarstellung

Bei 35 mm kann man mit einer lichtstarken Linse sehr schöne Bokeh-Aufnahme machen.

Der Unschärfeverlauf ist natürlich eine sehr subjektive Sache.

Mir persönlich gefällt das Bokeh des Objektives wirklich ausgesprochen gut und war einer der ausschlaggebenden Gründe, warum ich mir die Linse gekauft habe.

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 Bokeh

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 Bokeh

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 Bokeh

In unterschiedlichsten Szenarien….ein gelungenes Bokeh

Vignettierung, CAs, Verzeichnung und Gegenlicht

Leider ist das Objektiv anfällig für chromatische Aberrationen, die teilweise sehr heftig ausfallen können.

Ein Negativ-Beispiel ist das folgende Foto an dem sich die lila Farbsäume deutlich an den Hell-Dunkel-Übergängen (Äste – Himmel) zeigen.

Chromatische Aberrationen

…leider anfällig für chromatische Aberrationen

Hier schwächelt die Linse leider und man muss manuell in Lightroom Hand anlegen.

Ein Verzeichnung und Vignettierung ist vorhanden, die ich an dem folgenden Bild zeigen möchte.

Verzeichnung und Vignettierung (rechts korrigiert in Lightroom)

Die Vignettierung ist offenblendig (hier bei f/2.8) sichtbar und wie zu erwarten stärker vorhanden. Auch eine Verzeichnung ist definitiv vorhanden.

Beides lässt sich allerdings in Lightroom mit einem Korrekturprofil korrigieren.

Korrekturprofil Lightroom

Korrekturprofil in Lightroom

Ich verwende dazu das Profil des Vorgängermodells, da in Lightroom offensichtlich kein Update für die Version III vorhanden ist.

Zuletzt noch kurz ein paar Worte zum Gegenlichtverhalten.

Leider wird bei der Linse keine Gegenlichtblende mitgeliefert, was man sich bei einem Preis von 1.200.- eigentlich schon erwarten dürfte.

Ich besitze derzeit auch keine Gegenlichtblende, daher kann ich nur Infos im direkten Sonnenlicht geben.

Das Verhalten ist allerdings sehr gut. Die Linse zeigt sich wenig anfällig für Lensflares und erlaubt durch die 12 Blendenlamellen schöne Sonnensterne.

Auch dazu ein paar Beispielfotos.

Sonnensterne 2

 Gutes Gegenlichtverhalten…

Sonnensterne

…und schöne Sonnensterne

Fazit – Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Test

Noch mal zusammenfassend meine persönliche Einschätzung über die Qualität der Linse:

Das Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III…

  • …ist eine Linse aus Metall, die sich an der Leica M sehr hochwertig anfühlt.
  • …ist nicht allzu groß, aber es kommt trotzdem zur Überlappung des Messsucherfeldes.
  • …hat eine ausgezeichnete Bildqualität. Vor allem das Bokeh, die Schärfe in der Bildmitte und die kräftige Farbwiedergabe verleihen der Linse einen tollen Charakter. Die fehlende Randschärfe offenblendig und die Anfälligkeit für CAs sollte man allerdings berücksichtigen.
  • …mit derzeit rund 1200.- hat das Objektiv ein gutes Preis-Leistungsverhätnis.

Kann die Linse die hochwertigen Leica-Linsen ersetzen?

Ich habe leider noch keine Leica-Linsen testen können, aber was man von Erfahrungen anderer Fotografen hört, ist das Summilux 1:1,4/35 mm ASPH wohl einer der besten Leica-Linsen, die es gibt.

Das Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III muss auch nicht an das Summilux und Summicron herankommen, denn letztendlich kostet es ja nur einen Bruchteil der teuren Leica-Linsen.

Es ist aber eine sehr hochwertige Linse, die zwar ein paar Schwächen besitzt, aber euren Aufnahmen definitiv einen schönen Charakter gibt.

Ich kann die Linse auf jeden Fall weiterempfehlen und werde sie weiterhin als meine Alltagslinse nutzen.

Stefan Blog

Über den Autor
Der Wiener Hobby-Fotograf Stefan Czurda bereist und fotografiert exotische Bergwelten rund um den Globus. Wenn er nicht in den Bergen ist, fotografiert er am liebsten mit seiner Leica M und mit manuellen Linsen. Mehr über der Autor erfährt ihr hier.

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