TTArtisan M 28mm F5.6 Test – Leica M

Titel

TTArtisan M 28mm F5.6 Test

Leica hat eine klassische Vintage Linse, die in erster Linie für die Street Photography vorgesehen war, 2016 neu aufgelegt, nämlich das Leica M 28 mm 5.6 Summaron.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Summaron ist nicht nur die nicht allzu große Lichtstärke von f/5.6, sondern auch eine sehr kompakte Größe und ein spannender Vintage-Look. Es darf also durchaus als ein ungewöhnliches Objektiv betrachtet werden.

Nun hat der chinesische Hersteller TTArtisan seine Version der 2600.- teuren Leica-Linse für das Leica M-Mount auf den Markt gebracht.

Wie zu erwarten ist das TTArtisan M 28mm F5.6 dem Leica-Objektiv extrem ähnlich, böse Zungen würden von einer Kopie sprechen.

Es kostet allerdings nur einen Bruchteil des Leica-Pondond und daher dürfte die Linse eine interessante Alternative zum teuren Summaron darstellen.

Als begeisteter Street Fotograf habe ich die Linse zehn Tage ausleihen und an meiner Leica M 240 testen können.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Jo Geier und seinem Kamera-Store Jo Geier Mint and Rare (Werbung) in der Wiener Westbahnstraße, allerdings ohne Einfluß auf das Geschriebene in diesem Beitrag.

Wie sich diese kleine und sehr spezielle Linse in der Praxis schlägt, sehen wir uns nun in meinem TTArtisan M 28mm F5.6 Test genauer an.

TTArtisan M 28mm F5.6 Test

Äußerlichkeiten

Die Präsentation der Linse bzw. der erste Eindruck weiß zu überzeugen, denn TTArtisan liefert das Produkt in einer ansprechenden schwarzen Box mit dezenter goldenen Beschriftung.

Produktbilder 1

Schöne Präsentation des TTArtisan M 28mm F5.6

Man findet neben der Linse auch einen Objektivdeckel und eine Gegenlichtblende als mitgeliefertes Zubehör, die beide, wie auch das Objektiv, aus Metall gefertigt sind.

Finde ich wirklich großartig, denn da gibt es doch den einen oder anderen Hersteller, der sich eine Gegenlichtblende trotz eines hohen Objektivpreises noch teuer bezahlen lässt.

Die schwarze Blende lässt sich aufschrauben und wird mit einer Schraube fixiert und stellt einen schönen Kontrast zu dem in Chrom gehaltenen Objektiv dar.

Produktbilder 4

Objektiv mir aufschraubarer Gegenlichtblende

Ist die Gegenlichtblende einmal am Objektiv fixiert, lässt sich der Objektivdeckel allerdings nicht mehr vor der Linse anbringen, man muss sich also zwischen Gegenlichtblende oder Deckel entscheiden.

Arbeitet man ohne Gegenlichtblende, muss man auf den Deckel ein wenig achtgeben. So ganz fest sitzt er nämlich nicht und man sollte ihn möglichst nicht verlieren.

Die Linse ist wie auch das Original von Leica sehr kompakt, wiegt nur knapp 150 Gramm und sieht an der Leica M dezent und schick aus.

TTArtisan M 28mm F5.6 Test

TTArtisan M 28mm F5.6 an der Leica M 240

Generell fühlt sich das TTArtisan M 28mm wertig an und das Verändern des Fokus und der Blende an den entsprechenden Ringen verläuft angenehm und mit einem guten Widerstand.

Die Blende lässt sich an diesem Objektiv in ganzen Blendenstufen verstellen und es ist eine Schärfentiefenskala am Objektivtubus vorhanden.

Der Fokusring besitzt einen Hebel zum Fokussieren, der in der Unendlich-Stellung arretiert und mit einem Knopf wieder gelöst werden kann – eine praktische Einstellungsmöglichkeit an einem Weitwinkelobjektiv mit viel Schärfentiefe.

TTArtisan M 28mm F5.6 Test

Hebel am Fokusring mit Arretierung und Knopf zum Lösen der Unendlich-Stellung

Alles in allem ein hochwertig verbautes, kleines und unauffälliges Objektiv aus Metall, das nur eine minimale Tiefe von 18 mm besitzt und zusammen mit der Leica M sehr unscheinbar wahrgenommen wird, wie es Street Fotografen eben gern haben.

Codierung an der Leica M

Wirklich gut funktioniert die Linse mit der manuellen Objektiverkennung an meiner Leica M 240.

Ich verwende dazu das Korrekturprofil des Leica 28 f/2.8 11804 und habe nur beim sehr genaueren Hinsehen einen minimalen Farbstich an den Rändern bemerken können.

Dieser tritt nicht in jeder Aufnahmesituation auf und ist meiner Meinung nach keine große Sache.

Farbstich

Faktisch kein Farbstich an den Rändern 

Bildschärfe

Bei einem sehr günstigen Objektiv muss man die Bildqualität natürlich in Relation mit dem Preis betrachten und ich hatte eigentlich keine allzu großen Erwartungen an die Linse.

Typisch für TTArtsian, ist aber auch dieses Objektiv für einige Überraschungen gut.

Die folgenden Bilder sind konvertierte JPEGs, die aus nahezu unbearbeiteten RAW-Dateien aus meiner Leica M 240 stammen. Gelegentlich habe ich die Helligkeit mit dem Belichtungsregler in Lightroom minimal verändert.

Sehen wir uns zunächst einmal die Schärfe bei Offenblende von f/5.6 an.

In der Bildmitte ist die Schärfe wirklich hervorragend, da gibt es nichts zu beanstanden.

f5 Gesamtbild

Bildschärfe bei Offenblende f/5.6

f5 100 Prozent

In der Bildmitte wirklich gut

f5 100 Prozent 2

Am Rand leider nicht mehr 

Allerdings lässt die Schärfe merklich nach, je weiter man in die Randbereiche kommt. Gerade an den äußersten Ecken wird es leider verwaschen, wie im letzten Bild rechts oben deutlich erkennbar.

Bei f/8-11 ist die Schärfe in der Mitte gleichbleibend gut und erwartungsgemäß wird es abgeblendet in Richtung Ränder besser.

Allerdings kann man die Ränder trotzdem nicht als wirklich scharf bezeichnen. Die äußersten Ecken sind abgeblendet zwar besser, aber die Zeichnung ist trotzdem deutlich weicher als in der Bildmitte.

f8 Gesamtbild

Abgeblendet wird die Schärfe Richtung Rand besser (hier bei f/8)

f8 100 Prozent

100%-Vergrößerung der Bildmitte (f/8)

f8 100 Prozent 2

100%-Vergrößerung des Bildrandes (f/8)

Alles in allem ist ein Schärfeabfall Richtung Bildrand sichtbar, knackscharf ist die Linse von f/5.6 – f/11 nur in der Mitte, aber abblenden hilft auf jeden Fall.

Farbdarstellung, Kontraste und Bokeh

Die Linse ist die zweite von TTArtisan, die ich testen durfte, und die Farbdarstellung ist wie auch schon beim TTArtisan 21mm F1.5 sehr gesättigt und die Bildzeichnung zeigt starke Kontraste.

Wer diesen Look mag, wird mit beiden Parametern beim TTArtisan M 28mm F5.6 glücklich werden, wie die folgenden Bilder zeigen.

Saettigung und Kontraste 3

Starke Sättigung…

Saettigung und Kontraste

…und Kontraste…

Saettigung und Kontraste 2

…entspricht auch dem Look anderer TTArtisan-Objektive

Mit einer Offenblende von f/5.6 und einer Naheinstellgrenze von einem Meter ist die Linse kein geeignetes Werkzeug für ausgedehnte Schärfe-Unschärfe-Verläufe.

Das Bokeh, das sich trotzdem bei weitläufigen Hintergründen bei f/5.6 dezent zeigt, ist aber durchaus ansprechend.

TTArtisan M 28mm F5.6 Bokeh

Bokeh bei f/5.6, der Fokuspunkt liegt am Baumstamm… 

TTArtisan M 28mm F5.6 Bokeh

…und hier an den Blättern 

Vignettierung und Verzeichnung

Das TTArtisan M 28mm F5.6 zeigt offenblendig eine merkbare Vignette, die auch beim Abblenden auf f/8 und f/11 nicht verschwindet, aber nicht wirklich unangenehm auffällt.

Vignette

Vignette bei f/5.6

Mit einer leichten tonnenförmigen Verzeichnung liefert die Linse eine gute Leistung ab.

Verzeichnung

Leichte tonnenförmige Verzeichnung…

Verzeichnung korrigiert 

…die sich einfach korrigieren lässt

Ein Korrekturprofil gibt es in Lightroom meines besten Wissens Anfang 2022 noch keines, aber die Verzeichnung lässt sich mit leichtem Verschieben des Verzerrungsreglers einfach korrigieren.

Chromatische Aberrationen und Gegenlicht

Eine gute Performance liefert das TTArtisan M 28mm F5.6 im Bereich chromatischer Aberrationen.

In mehreren kritischen Aufnahmesituationen konnte ich keine übermäßigen lila Farbsäume an den Kontrastkanten erkennen, wie euch das folgende Bild zeigt.

TTArtisan M 28mm F5.6 Chromatische Abberationen

Gute Performance bei chromatischen Aberrationen…

Chromatische Abberationen 2

…auch in kritischen Aufnahmesituationen

Das Verhalten im Gegenlicht hängt natürlich immer von der Positionierung der Linse ab und variiert sehr stark, je nach Ausrichtung des Objektives.

Beim Schießen gegen die Sonne ist mir beim TTArtisan M 28mm F5.6 ein charakteristischer Lensflare immer wieder untergekommen, der eine kreisrunde Form besitzt und durchaus Charakter hat.

Lensflare

Lensflare im Gegenlicht

Abgeblendet, wie hier auf Blende f/22, entsteht im Gegenlicht ein sechssterniger Sonnenstern, der aber aufgrund seiner unregelmäßigen Form definitiv als unruhig bezeichnet werden muss.

Sonnenstern

Sonnenstern bei f/22

Fazit – TTArtisan M 28mm F5.6 Test

Bevor ich ein Fazit zu der Performance der Linse ziehe, möchte ich nochmals betonen, dass ich die Qualität der Linse unbedingt in Relation zu ihrem Preis setzen möchte.

Nochmal zusammenfassend, die Linse ist…

  • …eine sehr günstige Alternative zum teuren und sehr kompakten Summaron mit einer spannenden und beliebten Brennweite von 28 mm.
  • …hochwertig gefertigt, fühlt sich an der Leica M wirklich gut an und wird mit einer Gegenlichtblende und einem Objektivdeckel aus Metall geliefert.
  • knackscharf in der Mitte, zeigt aber Richtung Rand einen Schärfeabfall und an den Rändern eine weichere Zeichnung.
  • …wie andere Linsen von TTArtisan kontrastreich und zeigt gesättigte Farben.
  • …ein guter Performer im Bereich Vignettierung, Verzeichnung und chromatische Aberrationen, produziert aber abgeblendet einen weniger ansprechenden Sonnenstern.

Nein, die Linse hat keine Leica-Qualität und man bekommt auch keinen klassischen Vitage-Look, den das zehnmal so teure Summaron auszeichnet.

Was man allerdings beim TTArtisan M 28mm F5.6 definitiv bekommt, ist eine gute Fertigungsqualität und eine ordentliche Bildqualität für einen sehr geringen Preis.

Und daher ist das Objektiv unter diesen Gesichtspunkten wirklich empfehlenswert und macht mit seinem kontrastreichen und gesättigten Farblook sicher Spaß als Werkzeug für die Street Photography.

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