TTArtisan 21mm F1.5 Test – Leica M

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Eine interessante Brennweite

Durch meine Vorliebe für die Bergfotografie bin ich ein großer Fan von Ultraweitwinkel (UWW)Objektiven.

21 mm zählt für mich definitiv zum UWW, den ich persönlich im Bereich von 10-24 mm ansiedeln würde.

Die Brennweite lässt sich in der Landschaftsfotografie, aber auch für Städtetrips und Architektur relativ universell einsetzten, da 21 mm noch nicht so weit sind, dass das Bild extrem verzerrt wird.

Für meinen praxisnahen TTArtisan 21 mm F1.5 Test wurde mir die Linse von big-photo.de netterweise zur Verfügung gestellt, allerdings ohne Einfluss auf den Test zu haben.

Die Linse habe ich mir vor meine Leica M 240 geschraubt und einen Trip in die Berge unternommen.

Leica Berge

Mit der Leica und dem TTArtisan 21 mm F1.5 in den Bergen

Ein Großteil der Fotos in diesem Beitrag sind daher Landschaftsfotos aus den österreichischen Alpen.

Die Fotos sind nahezu unbearbeitet, lediglich die Tonwerte wurden leicht korrigiert.

Hier findet ihr nun meinen TTArtisan 21 mm F1.5 Test.

Ich hoffe, er ist hilfreich!

21 mm im Leica M System

21 mm sind im Leica M System eine etablierte Brennweite und alle großen Hersteller wie Zeiss, Voigtländer und natürlich Leica selbst bieten Linsen mit dieser Brennweite an.

Warum sollte man nun die Linse des chinesischen Herstellers TTArtisan wählen?

Ganz einfach, weil das TTArtisan 21 mm F1.5 nur knapp unter 600 Euro (Werbung) kostet und damit weitaus günstiger als die Konkurrenz ist.

Ebenso ist die Linse mit f/1.5 als größte Blende ziemlich lichtstark!

Ob trotz des attraktiven Preises die Qualität der Linse angemessen für den ambitionierten Fotografen ist, werden wir uns nun im Detail ansehen.

TTArtisan 21mm F1.5 Test – Leica M

Äußerlichkeiten

Wer glaubt, dass man um 600 Euro eine billig-anmutende Kunststofflinse bekommt, der wir angenehm überrascht sein.

Das Objektiv wird in einem edlen Karton geliefert, besitzt eine Gegenlichtblende aus Metall und ein Werkzeug zur Anpassung des Objektives an den Messsucher ist ebenso mit dabei.

Mein Rezensionsexemplar war gut eingestellt, und ich selbst musste nicht Hand anlegen, um die Linse zu justieren.

Das TTArtisan 21 mm F1.5 ist komplett aus Metall gefertigt, wirkt wertig verbaut und besitzt am Fokus- und Blendenring Erhöhungen, die das Einstellen der Parameter maßgeblich erleichtern.

Ein Objektivdeckel aus Metall wird ebenso mitgeliefert, leider ist er nicht brauchbar, da er viel zu leicht von der Linse abfällt.

Mit einer Lichtstärke von f/1.5 ist das Objektiv sicher nicht klein, aber ich würde es eher als lang, statt wuchtig bezeichnen.

TTArtisan 21mm F1.5

Das TTArtisan 21 mm an der Leica M 240

Die Überlappung mit dem Messsucherbild ist minimal, jedoch spielt das bei 21 mm eine untergeordnete Rolle, da das komplette Bild natürlich systembedingt im Sucher nicht angezeigt wird.

Um das Bild vollständig zu sehen, wird der Bildschirm benötigt, oder man verwendet den optional erhältlichen elektronischen Aufstecksucher, sofern man eine digitale Leica M der neueren Generationen besitzt.

Die Blende lässt sich in Halbstufen verstellen und der Fokusring hat einen guten Widerstand. Lediglich die Unendlich-Einstellung sitzt nicht komplett am Anschlag des Fokusringes, sondern etwas davor, was ein wenig stört.

Das Objektiv ist für den Preis erstaunlich gut verbaut, hier gibt es wirklich wenig auszusetzen.

Codierung an der Leica M

Das optimale Codierungsprofil habe ich im Zuge meines Tests leider nicht gefunden, allerdings hat bei mir das Leica 21 f/28 ASPH 11135/11897 Profil halbwegs gute Resultate geliefert.

Dezente türkise Farbsäume waren dennoch an den Rändern sichtbar, wie ihr im folgenden Bild sehen könnt.

Farbsäume Leica M

Türkise Farbsäume in den Rändern

Diese lassen sich in Lightroom natürlich einfach entfernen.

Bildschärfe

Die erste Frage, die sich betreffend der Bildschärfe des TTArtisan 21 mm stellt ist, ob die Linse offenblendig bei f/1.5 nutzbar ist.

Ich würde diese Frage mit ja beantworten. Die Bildmitte ist zwar bei f/1.5 nicht knackscharf, aber meiner Meinung nach brauchbar, wie ihr in dem folgenden Bild inkl. 100%-Vergrößerung in Lightroom sehen könnt.

Bildschaerfe bei f 1.5

Die Bildschärfe bei f/1.5 ist definitiv brauchbar (f/1.5, 1/25 s, ISO 800)

Bildschaerfe bei f 1.5 2

Vergrößerung der Bildmitte

Für mehr Schärfe in der Bildmitte hilft abblenden auf f/2.8, dann ist die Schärfe wirklich sehr gut.

Die Schärfe passt ebenso bei Blenden zwischen f/5.6-11, die man typischerweise in der Landschafts- und Architekturfotografie verwendet.

Genau für diese Zwecke ist die Linse wirklich gut brauchbar.

Blende 11 3

Blende 11

Blende 11 2

Für die Landschaftsfotografie wirklich sehr gut brauchbar

Richtung Rand lässt die Schärfe dann allerdings nach, während die ganz äußersten Ränder definitiv weicher dargestellt werden.

Der Effekt ist offenblendig weitaus mehr bemerkbar, aber auch abgeblendet auf f/5.6-11 ersichtlich, wobei die Bildschärfe bei diesen Blenden nur an den äußersten Rändern merklich nachlässt.

Bildschaerfe bei f 11

Gute Schärfe in der Mitte  (f/11, 1/125 s, ISO 200)

Bildschaerfe bei f 11 am Rand 2

Zum Rand lässt die Schärfe nach (100%-Ansicht Lightroom)

Zusammenfassend ist das Objektiv offenblendig nutzbar, die Bildschärfe in der Mitte ist sehr gut, wenn man etwas abblendet.

Gegen den Bildrand wird es weicher, aber abgeblendet auf f/5.6-11 ist das Objektiv gut nutzbar, wenn man nicht ganz kritisch mit den äußersten Rändern ist.

Farbdarstellung und Bokeh

Wie ihr anhand der bereits gezeigten Fotos sehen könnt ist die Farbdarstellung sehr kräftig und die Bilder sehr kontrastreich.

Hier ein paar Fotos, die diesen Charakter der Linse unterstreichen.

Farben der Linse 3

Kräftige Farben…

Farben der Linse

…und satte Kontraste

Während die Farbdarstellung gelungen ist, gewinnt das Bokeh der Linse keine Preise. Ich würde es definitiv eher als unruhig bezeichnen.

Allerdings sind 21 mm auch nicht unbedingt die beste Brennweite, um schöne Unschärfeverläufe darzustellen und daher ist das Bokeh bei dieser Brennweite meiner Meinung nach vernachlässigbar.

Bokeh

Das Bokeh wirkt unruhig

Bokeh 2

Leider auch hier in einer etwas anderen Aufnahmesituation

Vignettierung, CAs, Verzeichnung und Gegenlicht

Diese Parameter finde ich bei der Linse etwas schwierig interpretierbar, da es kein Korrekturprofil in Lightroom gibt. Es wäre toll, wenn das der Hersteller nachliefern könnte.

Eine Vignettierung ist vorhanden, ich würde sie aber nicht als zu heftig bezeichnen und abblenden auf f/2.8 hilft hier deutlich.

Auch eine Verzeichnung macht sich bemerkbar, die sich allerdings in meinen Naturaufnahmen weitaus weniger markant zeigt als bei reinen Architekturaufnahmen.

Sehr gut verhält sich die Linsen betreffend chromatische Aberrationen.

In typischen Aufnahmesituationen zeigt das Objektiv kaum lila Farbsäume an den Kontrastkanten, wie euch das folgende Bild zeigt.

Chromatische Abberationen

Sehr gute Performance betreffend CAs

Chromatische Abberationen 2

Kaum Farbsäume an den Kontrastkanten sichtbar (Vergrößerung)

Auch im Gegenlicht zeigt sich das Objektiv wenig anfällig für Störungen.

Gegenlicht

TTArtisan 21 mm F1.5 ist ausgezeichnet im Gegenlicht

Fazit – TTArtisan 21 mm F1.5 Test

Die Qualität der Linse muss man natürlich in Relation zu dem Preis setzen.

Das Objektiv kann natürlich nicht mit den hohen Qualitätsstandards von Leica und Zeiss mithalten, aber dessen wird sich jeder bewusst sein, der eine 600-Euro-Linse für das Leica M System kauft.

Trotzdem finde ich, dass man für den Preis durchaus Qualität bekommt und zusammenfassend kann das Objektiv in den folgenden Bereichen punkten:

  • Offenblendig bei f/1.5 kann man die Linse definitiv nutzen
  • Kräftige Farben und satte Kontraste
  • Die Bildschärfe in der Mitte ist gut und für Landschaften oder Städte bei Blenden von f/5.6-11 ist die Linse sehr gut nutzbar
  • Gute Gegenlichteigenschaften und wenig chromatische Aberrationen
  • Attraktiver Preis

Abstriche muss man in der Schärfe Richtung Rand und an den äußersten Rändern machen.

Ebenso hat die Linse ein unruhiges Bokeh. Leider gibt es offensichtlich vom Hersteller auch kein Korrekturprofil für Lightroom, das die vorhandene Vignettierung und Verzeichnung herausrechnet.

Wer damit Leben kann bekommt um einen attraktiven Preis ein gut nutzbares UWW-Objektiv, das sich universell einsetzen lässt.

Stefan Blog

Über den Autor
Der Wiener Hobby-Fotograf Stefan Czurda bereist und fotografiert exotische Bergwelten rund um den Globus. Wenn er nicht in den Bergen ist, fotografiert er am liebsten mit seiner Leica M und mit manuellen Linsen. Mehr über der Autor erfährt ihr hier.

2 Gedanken zu „TTArtisan 21mm F1.5 Test – Leica M“

  1. Danke für deine Einschätzung.
    Ich würde es mal mit dem Leica-Objektiv-Profil des 21mm Summilux versuchen. An meinem Nokton 21mm f/1.4 paßt das wunderbar.
    Eine Vergrößerungsmöglichkeit der Beispielbildchen hätte ich mir gewünscht, um deine Findungen nachvollhziehen zu können.
    Freundliche Grüße

    1. Danke für den Kommentar und für den Tipp mit dem 21 mm Summilux…und für den Input! Die Vergrößerung werde ich umsetzen, da hast du sicher recht!

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