Street Photography mit der Leica M – Ein Einstieg

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Titel

Street Photography – Eine fotografische Weiterentwicklung

Schon recht bald, nachdem ich mir meine Leica M 240 gekauft hatte, bemerkte ich, dass diese Kamera eigentlich nicht das beste Werkzeug für meine fotografischen Schwerpunkte, der Landschafts- und Outdoorfotografie, war.

Die von mir bevorzugten Weitwinkel-Ausschnitte unter 28 mm werden ja bekanntlich im Messsucher nicht angezeigt.

Natürlich kann man mit Leica auch mit Brennweiten unter 28 mm arbeiten, entweder mit einem Aufstecksucher oder mit dem Bildschirm, aber so richtig Spaß macht das an der Leica M eigentlich nicht.

So war es wohl an der Zeit, sich fotografisch weiterzuentwickeln.

Warum ich generell begonnen habe, mit der Leica M zu fotografieren, findet ihr in meinem Beitrag: Einstieg ins Leica M System – Ein Erfahrungsbericht.

Die Leica M ist ja bekanntlich eine Reportage-Kamera und für dieses Genre sollte man sie ja eigentlich auch verwenden.

Und so begann ich mich für das Genre der Straßenfotografie zu interessieren, mit dem ich mich vorab schon ein wenig in der Theorie beschäftigt hatte, aber bis dato noch überhaupt keine praktische Erfahrung hatte.

Street Photography mit der Leica M-

Street Photography mit der Leica M

Dieser Beitrag ist ein Erfahrungsbericht und Gedanken, wie es mir im ersten Jahr Street Photography mit der Leica M ergangen ist.

Die Fotos zu diesem Text stammen vorwiegend aus den österreichischen Städten Wien und Graz.

Der Reiz der Straßenfotografie

Ich würde die Street Photography als das fotografische Abbilden von ungestellten Szenen des öffentlichen Raumes definieren.

Und die Straßenfotografie hat einen unglaublichen Reiz, denn was genau man im öffentlichen Raum abbildet, ist der eigenen Kreativität überlassen. Und hier kann man sich als Fotograf wirklich austoben.

Ein großer Vorteil ist, dass man nicht wie bei der Landschaftsfotografie ewig weit in die Natur fahren muss und auch nicht beim besten Licht sehr früh oder sehr spät draußen auf der Straße sein muss.

Nein, man kann einfach vor die Haustüre gehen und befindet sich bereits auf der großen Spielwiese der Street Photography, bei jedem Wetter und zu jeder Zeit.

Dass die Straßenfotografie aber doch nicht so einfach ist, möchte ich nun etwas detaillierter schildern.

Die Leica M als Street Photography Kamera

Die Leica M ist als manuelle Kamera ein durchaus anspruchsvolles Werkzeug für die Straßenfotografie, was natürlich auch ihren Reiz ausmacht.

Meine Kamera habe ich übrigens in meinem Beitrag Leica M 240 Test – Bedienung, Bildqualität und praktische Nutzung im Detail getestet.

Einstieg ins Leica M SystemLeica M 240 – Mein Werkzeug für die Straßenfotografie (Foto © Leica)

Der Vorteil ist sicher, dass die schicke Retro-Kamera mit ihren kleinen M-Objetiven nicht besonders auffällig wirkt und man im öffentlichen Raum nicht wie ein Paparazzo mit einem 200er-Tele wahrgenommen wird.

Man fällt aber trotzdem auf, wenn man Straßenszenen schießt. Dass man mit einer Leica M komplett inkognito fotografiert, spielt es leider nicht.

Dazu kommen noch die technischen Raffinessen, denn das Scharfstellen mit dem Messsuchern während plötzlich auftretenden Szenen ist durchaus heikel und erfordert viel Übung.

Natürlich kann man vorfokussieren und mit der hyperfokalen Distanz arbeiten.

Trotzdem passiert es natürlich öfters, dass man ein Foto nicht scharf bekommt, so wie das folgende Bild, das ich eigentlich sehr stimmig finde.

Unscharfes Foto

Stimmiges Bild, wenn auch nicht ganz scharf

Ein großer Vorteil der Street Photography ist allerdings, dass es eigentlich nicht auf technische Perfektion ankommt, sondern viel mehr auf einen guten Bildaufbau, interessanten Szenen und darauf, was das Bild letztendlich aussagen soll.

Trotzdem sollte man natürlich technisch sauber mit der Leica schießen, was natürlich viel Übung erfordert.

Ich persönlich plane meine Street-Shot vorab und fokussiere dabei mit dem Messsucher und lege dabei einen großen Wert auf einen guten Bildaufbau. Danach warte ich, bis in meiner gewählten Szenerie etwas spannendes passiert und drücke ab.

Ich verwende derzeit ausschließlich die Zeitautomatik an der Leica M und arbeite mit der Belichtungskorrektur, wenn ich auf der Straße schieße.

Die richtige Brennweite

In der Straßenfotografie sind die klassischen Reportage-Brennweiten von 35 mm und 50 mm sehr weit verbreitet, wobei auch 28 mm als Standardbrennweiten immer beliebter werden.

Wie wichtig 28 mm als Brennweite geworden sind, hat Leica selbst durch die Entwicklung der Leica Q bewiesen, in der ein fix verbautes Summilux 1:1,7/28 mm ASPH zur Anwendung kommt.

Es gibt allerdings auch sehr erfolgreiche Straßenfotografen, die nicht mit Reportage-Brennweiten arbeiten. Somit ist das Brennweitenthema durchaus flexibel und man muss für sich selbst herausfinden, welche Linse für einen am besten passt.

Ich habe für mich für die klassischen 35 mm entschieden, da ich bereits eine Linse mit dieser Brennweite besitze.

Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Test - Leica M

Voigtländer Linse (Foto © Voigtländer)

Das Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III, meine Standardlinse auf meiner Leica M 240, macht auf der Straße einen hervorragenden Eindruck.

Einen ausführlichen Testbericht zu dieser Linse findet ihr in meinem Beitrag Voigtländer Nokton 35 mm 1.2 III Test.

Mit 35 mm müsst ihr ziemlich nahe heran an eure Straßenszene, sonst kann es passieren, dass die Szene nicht spannend genug wirkt, wenn sie in der Ferne verschwindet.

Wenn ihr allerdings sehr nahe an Menschen heran geht, kann es natürlich zu Konflikten und Diskussionen mit der abzubildenden Person kommen, mit dem Auge am Messsucher noch viel mehr.

In diesem Fall ist das Schießen mit einer vorfokussierten Linse ratsam, um etwas weniger aufzufallen.

Leica Summarit-M 90 mm f:2.5

Leica Summarit-M 90 mm f/2.5 (Foto © Leica)

Ich habe mir zusätzlich auch eine 90 mm Linse zugelegt, konkret das Leica Summarit-M 90 mm f/2.5.

90 mm sind eigentlich keine klassische Brennweite für die Straße!

Durch Tele-bedingte Kompression und geringere Tiefenschärfe, finde ich 90 mm trotzdem sehr spannend. Mit dieser Linse kann ich aus der Ferne schießen und es sind mir so in den Straßen von Wien einige tolle Aufnahmen gelungen.

Generell müsst ihr sicher ein wenig herumprobieren, welche Brennweite euch am meisten zusagt, aber zwischen 28-50 mm an der Leica M kann man zu Beginn sicher nicht viel falsch machen.

Menschen abbilden, oder nicht?

Müssen bei der Street Photography Menschen abgebildet werden?

Das ist sicher eine zentrale Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle.

Zunächst einmal bin ich nicht der Meinung, dass Menschen unbedingt abgebildet werden müssen.

Ich habe durchaus Fotos mit meiner Leica M ohne Menschen geschossen, die mir gut gefallen.

U-Bahn Wien

U-Bahn in Wien

Vintage Kameras

Vintage Kameras

Graffitis

Versteckte Grafftis

Fotos mit Menschen auf Straßenszene wirken allerdings meist ausdrucksstärker und spannender.

Personen können dabei ganz unterschiedlich erscheinen.

Menschen können komplett erkennbar sein (siehe dazu die rechtliche Situation in Österreich im nächsten Kapitel) oder nur als „Bildelement“ dienen, welches die Umgebung lebendiger wirken lässt.

Wenn man sich ein wenig auf der Straße „auf die Lauer“ legt, dann lassen sich Fotos mit Menschen als Elemente wunderbar antizipieren.

In dieser Szene erscheint die Dame genau in der Mitte des Street Art Gemäldes. Zusammen mit der Bewegungsunschärfe wirkt das Bild weitaus spannender, als nur die Wand alleine.

Menschen als Elemente_4

Menschen als „Bildelemente“ für Straßenszenen

Radfahrer

…warten, bis jemand vorbeikommt

Menschen als Elemente 3

…oder die Umgebung beobachten

Die zwei letzten Bilder, wie auch das Titelbild, sind übrigens mit dem Leica Summarit-M 90 mm f/2.5 entstanden.

Hier habe ich aus der Entfernung die Umgebung beobachtet, bis ich entweder eine stimmige Szene gefunden habe (Park), oder eine Person ins Bild gekommen ist (Radfahrer).

Rechtliche Situation in Österreich

Erkennbares Abbilden von Menschen bringt natürlich die rechtliche Situation vom Fotografieren in der Öffentlichkeit ins Spiel.

Darf man überhaupt fremde Personen ohne Rücksprache fotografieren und die Bilder veröffentlichen?

Da ich kein Jurist bin, bin ich bin sicher nicht die richtige Person, um das zu beurteilen und kann in diesem Beitrag dazu natürlich keine Rechtsauskunft geben.

Es gibt natürlich auch von Land zu Land Unterschiede!

Auf der Seite www.die-anwaelte.at wird die Situation in Österreich dargestellt.

Nach § 78 des Urheberrechtsgesetz dürfen Bildnisse von Personen nicht veröffentlicht werden, wenn dadurch „berechtigte Interessen des Abgebildeten verletzt werden“.

Was diese Interessen des Abgebildeten genau sind, wird nicht näher spezifiziert, aber es soll jeglicher Missbrauch in Form von Bloßstellung, Entwürdigung und Herabsetzung in der Öffentlichkeit vermieden werden.

Karlskirche Wien

Menschen sind nicht erkennbar

Für mich ist die rechtliche Situation in Österreich Grund genug, dass ich auf meiner Seite keine Menschen erkennbar zeige, die ich auf den Straßen fotografiert habe.

Und dass man durchaus belebte Fotos machen kann, ohne dass Menschen deutlich sichtbar sind, möchte ich in diesem Foto zeigen.

Menschen abbilden

Belebte Szene – Ohne erkennbare Abbildung von Menschen

Einmal dafür entschieden, gehe ich mit dieser Einstellung entspannter auf Motivwahl und muss mich nicht auf unangenehme Konfrontation einstellen, wenn ich Menschen auf der Straße fotografiere.

Schwarz-Weiß oder Farbe?

Wie ihr in diesem Beitrag unschwer erkennen könnt, bevorzuge ich für die Street Photography mit der Leica M Abbildungen in Schwarz-Weiß.

Schwarz-Weiß Fotos finde ich in diesem Genre einfach extrem ausdrucksstark!

Die RAWs, die aus meiner Leica M 240 kommen, haben bereits nach der Umwandlung in Schwarz-Weiß in Lightroom eine wirklich schöne Zeichnung. Außer, dass ich die Tonwerte korrigiere, bearbeite ich meine Fotos nur sehr wenig.

Es gibt allerdings Stimmungen, in denen Farben einfach so großartig wirken, dass eine Schwarz-Weiß Ausarbeitung keinen Sinn ergibt.

Das folgende Foto in Schwarz-Weiß würde seine magische Stimmung zum Sonnenaufgang verlieren.

Farben Streetphotography

Besser in Farbe – Sonnenaufgang am Leopoldsberg

Auch dieses Foto lebt von den farbenfrohen Herbstfarben und Graffitis. Eine Schwarz-Weiß Umwandlung würde auch hier nicht passen.

Färbige Straßenszenen

Auch diese Szene lebt von der Farbe

Aller Anfang ist schwer

Street Photography kann am Anfang wirklich sehr schwierig sein, denn wenn man das erste Mal auf der Straße unterwegs ist, weiß man nicht so recht, was man fotografieren soll.

Folgende Tipps haben mir das Leben anfangs leichter gemacht:

  • Sucht euch eine spannende Szene mit schönen Farben, Kontrasten oder spannenden Elementen und wartet, bis eine Person in die Szene eintritt.
  • Probiert, Elemente aus einer größeren Szene herauszuisolieren.
  • Vermeidet einen zu komplexen Bildaufbau und probiert das Foto so einfach wie möglich zu halten.
  • Holt euch Inspiration von bekannten Vertretern der Street Photography.

Neben den großen Meistern der Straßenfotografie wie Henri Cartier-Bresson oder Saul Leiter finde ich vor allem die Schwarz-Weiß Abbildungen von Alan Schaller wirklich großartig und sehr motivierend.

Lektüre zum Weiterlesen

Ebenso habe ich mich auch auf die Suche nach einer passende Lektüre gemacht, damit mir der Einstieg in die Street Photography etwas leichter fällt.

Das Buch Street Fotografie von David Gibson wurde mir nach meiner Anfrage beim MITP-Verlage für einen Review zur Verfügung gestellt (Werbung), ohne dass der Verlag Einfluss auf meine Meinung zu dem Buch hat.

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Street Fotografie von David Gibson

David Gibson ist ein Gründungsmitglied von In-Public, dem ersten modernen und internationalen Kollektiv von Streetfotografen und hat weltweit großen Einfluss auf die wachsende Street Photograpahy Szene.

Das Buch ist ein umfangreicher Leitfaden zu verschiedenen Stilmittel der Straßenfotografie und erleichtert mit konkreten Vorschlägen und praktischen Beispielen von international anerkannten Fotografen gerade Anfängern den Einstieg in das faszinierende Genre der Street Photography.

Das Buch möchte ich auf jeden Fall als Inspirationsquelle empfehlen!

Fazit – Street Photography mit der Leica M

Stefan Leica

Unterwegs mit der Leica M in Wien (Foto M. Schnellendorfer)

Nicht ganz ein Jahr fotografiere ich auf der Straße mit meiner Leica M und das Genre ist ebenso faszinierend, wie es anspruchsvoll ist.

Durch die Street Photography habe ich mich als Hobby-Fotograf weiterentwickelt und die manuelle Kamera hat mir dabei sehr geholfen.

Ich gehe seitdem viel aufmerksamer durch die Stadt und habe meine Leica M eigentlich fast immer mit dabei, wenn ich in Wien unterwegs bin.

Die anfängliche Scheu, Menschen direkt auf der Straße zu fotografieren, habe ich abgelegt.

Mit meinem Ansatz, niemanden erkennbar abzubilden, habe ich eigentlich auch kein großes Konfliktpotential beim Fotografieren fremder Personen.

Die Street Photography mit der Leica M bleibt trotzdem ein schwieriges Terrain, in dem ich mich noch viele Jahre weiterentwickeln und verbessern möchte.

Meine Fortschritte werde ich natürlich weiter hier unter der Kategorie Leica auf meiner Seite dokumentieren und ergänzen.

Ich freu mich natürlich auch, wenn ihr meinem Instagram-Profil folgt, auf dem ihr meine aktuellen Straßenfotografie-Bilder sehen könnt.

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