Klaus Bernhard – Gedanken zur Bergfotografie

Klaus Bernhard

Austausch an Erfahrungen

In meiner Reihe „Gedanken zur Bergfotografie“ möchte ich mit gerne mit anderen Bergfotografen kurzschließen.

Die Leidenschaft für Berge teilen wir, aber vielleicht haben wir doch etwas unterschiedliche Herangehensweisen und Erfahrungen beim Fotografieren von Bergwelten gemacht.

Diese Beitragsserie soll ein Erfahrungsaustausch sein. Ich hoffe, es ist spannend für euch.

Fotografierst du ebenso Berge und möchtest deine Erfahrung teilen?

Dann nimmt einfach Kontakt mit mir auf. Ich würde mich sehr freuen!

Bergfotograf Klaus Bernhard

Klaus BernhardDer folgende Beitrag ist ein Gastbeitrag vom Bergfotografen Klaus Bernhard.

Vielen Dank für Deine Bemühungen!

Interessante Beiträge zum fotografischen Schaffen von Klaus Bernhard und viele seiner Bilder findet ihr auf seinem Blog.

Intro

Als interessierter Berg- und Naturfotograf hast du mit dem Besuch dieser Seite von Stefan Czurda schon einmal einen entscheidenden Schritt in Richtung hochwertiger Informationen rund um das Fotografieren getan.

Als mich Stefan fragte, ob ich nicht einen Gastbeitrag schreiben möchte, habe ich mir die einzelnen Blogbeiträge durchgelesen und mein erster Gedanke war: “Was kann ich bitte hier noch fachliches beitragen?“

Genau wie in der Fotografie sollte man Herausforderungen annehmen und so sind ein paar persönliche Gedanken auf dem manchmal doch „steilen Weg nach oben“ entstanden.

Wer hier nun eine detaillierte Check-Liste zur perfekten Kameraeinstellung erwartet, der wird wohl ein wenig enttäuscht sein. Darüber findest du schon ausreichend Material in diesem Blog.

Ich möchte hier vielmehr den Versuch wagen, einige Gedanken, die für mich beim Fotografieren in den Bergen eine entsprechende Rolle spielen, mit euch teilen.

Die Materialschlacht

Viele von uns Fotografen sind ja richtige „Technik-Nerds“. Wir wollen immer am letzten Stand sein und ja keine technische Entwicklung versäumen.

Auch ich habe mich schon mehrmals dabei ertappt, unendliche Reviews zu Kameras, Objektive & Co. durchzuackern. Und seien wir doch einmal ehrlich . . . es macht ja auch ein wenig Spaß!

Aber gestattet mir eine Frage zu stellen: Welche Funktionen an Deiner Kamera sind für Deine Art der Fotografie essentiell, welche Features nutzt Du wirklich regelmäßig?“

Beim Fotografieren in den Bergen benutze ich zum allergrößten Teil die Blendenvorwahl (A-Modus) bzw. den manuellen Modus (M-Modus). Dazu die Belichtungskorrektur, ISO-Einstellung, die Wasserwaage und den 2-Sekunden Timer.

Ich brauche keinen superschnellen Autofokus, keine Gesichtserkennung und schon gar keine High-Speed Bildraten. Aber genau daran werden in den unzähligen Reviews die neuesten Kameramodelle gemessen.

Wie „preisgünstig“ müsste eine Kamera mit nur den mir wichtigen Funktionen dann sein? Eine schöne Vision!

Mir persönlich ist eine entsprechende Robustheit bzw. Widerstandsfähigkeit viel wichtiger. Und das Handling muss passen (was wiederum den Gang zum Fotohändler deines Vertrauens vor Ort bedeutet und damit den heimischen Handel unterstützt).

Was ich mir schon „leiste“ ist einen entsprechender Sensor mit ausreichend Megapixel, denn croppen tun wir doch alle ein wenig, oder?

Meine Kamera – Panasonic Lumix S1R

 

Panasonic Lumix S1R

 

Panasonic Lumix SR1

Die Panasonic Lumix S1R ist eine hochprofessionelle Kamera, die hart im Nehmen ist. Damit kann ich mich auf sie verlassen.

Ja, auch Sie hat viel zu viele Funktionen, die ich nie nutze. Ausschlaggebend für mich waren ausreichend viel Megapixel, da ich hin und wieder meine Bilder auch in entsprechender Qualität drucken möchte.

Was ich sehr schätze, ist der sogenannte „High Resolution Mode“. Hier macht mir die Kamera intern insgesamt 8 Bilder und verrechnet mir diese dann in eine RAW-Datei. Dabei kommen dann Größen bis an die 170 MB heraus.

Dies funktioniert zwar nicht bei Langzeitbelichtungen und bewegte Elemente (z.B. im Vordergrund) sollten auch nicht vorhanden sein, aber dadurch lasse ich mir die Möglichkeit offen, später aus diesen Dateien auch große Drucke zu erzeugen.

Der wichtigste Grund für die Wahl dieser Kamera ist aber ein ganz einfacher. Sie gefällt mir und sie liegt einfach wunderbar in der Hand!

Klingt banal, ist für mich aber immens wichtig.

Kurzer Ausflug zum Thema Drucken

Ich drucke nicht selbst, da ist mir der Aufwand einfach zu groß. Ich habe jedoch – zufällig – in meiner Nähe jemanden gefunden, der genau dieses Thema neben dem Fotografieren zu seiner großen Leidenschaft gemacht hat.

Es ist unglaublich, was das für ein „Qualitätsfanatiker“ ist.

Bei Interesse schaut gerne einmal bei Ihm vorbei: www.myphoto-art.at by Bernhard Pfister. Sehr empfehlenswert!

Wem das Thema Druck allerdings nicht wichtig ist, dem empfehle ich ganz klar eine Kamera mit weniger Megapixel, hier reichen an die 24 Megapixel auf jeden Fall.

Meine Objektive

Das zweite, große Materialthema sind die Objektive. Hier scheiden sich die Geister wohl noch mehr .

Ich verfolge hier einen sehr pragmatischen Ansatz: (Fast) jedes Objektiv mit einer Anfangsblende von f 4 ist mir lieber als mit f 2.8 (weitere Details dazu etwas später beim Gedanken zum Gewicht).

Bei den von mir verwendeten Brennweiten habe ich im Laufe der Zeit eine gewisse Skepsis zu den so weit verbreiteten 70-200 er Zoom Linsen entwickelt. Warum das so ist, könnt ihr an folgender Setup-Idee sehen:

Bei den erstgenannten beiden Objektiven würde mir ein 70-200 er Objektiv keine 100 mm Brennweite zusätzlich bringen. Und für ein wenig Mehrgewicht gewinne ich jede Menge an Brennweite nach oben.

So wie viele von uns habe ich in den letzten Jahren sehr viel ausprobiert, umgestellt und wieder verworfen. Ich denke, das ist ganz normal. Wichtig dabei ist, für sich selbst irgendwann eine „endgültige“ Entscheidung zu fällen, ansonsten geht diese selbst inzenierte Materialschlacht nach hinten los.

Das immer größer werdende Loch im Portemonnaie lässt die Qualität der Bilder nicht mehr steigen. Ich habe lange aus Gewichtsgründen mit zwei verschiedenen Kamerasystemen gleichzeitig fotografiert: Panasonic Vollformat und Fuji.

Letztendlich hat sich für mich herausgestellt, das verschiedene Systeme für mich nicht zielführend sind. Mich haben die verschiedenen Bedienungen und Menüs mehr abgelenkt als unterstützt.

Und so bin ich mittlerweile bei nachfolgendem Equipment angekommen:

Aus den schon genannten Gründen verwende ich die drei oben beschriebenen Objektive. Sie stellen für mich einen halbwegs machbaren Kompromiss zwischen Qualität und Gewicht dar.

Das Sigma 100-400 habe ich erst recht kurz. Zu den vergleichbaren Objektiven ist es ein wahres „Leichtgewicht“, trotzdem gilt es vor jeder Tour kritisch zu hinterfragen, ob ich es auch wirklich brauche. Die Lichtstärke ist für mich völlig ausreichend, da ich vorwiegend vom Stativ fotografiere. Mit diesen Objektiven decke ich alles ab, was ich am Berg brauche.

Fast alles, denn ein lichtstarkes Weitwinkel für die Sterne-Fotografie wäre vielleicht irgendwann ein Thema.

Tipp dazu: es gibt seit kurzem ein ganz neues Objektiv: TT Artisan 11 mm F2.8 Kameraobjektiv * (kompatibel mit Sony E Mount, Nikon Z Mount, Canon R Mount, Leica L Mount Kameras).

Dieses Objektiv kostet unter 300 Euro.

Stative

Mein Gitzo Stativ, dessen Modell nicht mehr verfügbar ist, ist mit einem Arca Swiss Z1 Kugelkopf ausgestattet und nehme ich nur dann mit in die Berge, wenn ich weiß, dass ich nicht weit und hoch laufen muss. Es ist viel zu groß und schwer, aber stabil ohne Ende.

Seine Qualitäten zeigt es aber beispielsweise beim Fotografieren von Wasserfällen & Co. Da möchte ich es nicht missen!

Klaus Bernhard

Mein Gitzko Stativ

Ansonsten ist das Sirui T-2204 SK Traveller * mit K-20 X Kugelkopf im Einsatz.

Es ist klein, leicht und völlig ausreichend.

Die Last der Lumix S1R mit dem Sigma Teleobjektiv stellt kein Problem dar. Ein toller Begleiter in den Bergen.

Für gelegentliche Panoramaaufnahmen habe ich noch einen einfachen Nivelliersockel von Mengsmontiert, der die lästige „Fitzelei“ beim Ausrichten des Objektives vergessen lässt.

Filter

Ich besitze insgesamt vier Filter von Kase.

Einen Polfilter, einen 0,9 Grauverlaufsfilter, sowie einen ND 8 sowie einen ND 64 Graufilter.

Ersterer kommt sehr oft zum Einsatz, den Grauverlaufsfilter brauche ich immer weniger (das ist wohl dem sehr hohen Dynamikumfang meiner Kamera geschuldet).

Die beiden Graufilter brauche ich sporadisch beim Fotografieren von Wasser.

Wenn man seine Kameraausrüstung kritisch hinterfragt, so ist meiner Meinung nach hier ein immer höheres „Einsparungspotential“ zu finden.

Rucksack

Es gibt ihn nicht, den optimalen Rucksack für Wanderer und Fotografen!

Zumindest habe ich ihn noch nicht gefunden. So habe ich mich im Laufe der Zeit auf folgende Modelle „eingeschworen“:

  • Meinen Mammut Pro 50 Liter gibt schon lange nicht mehr. Mein persönlicher Kaufgrund war die Rückenöffnung und das professionelle Tragesystem. Mein Alltagstier!
  • Mein Tatonka Yukon 70 + 10 Liter * kommt zu Einsatz, wenn Zelt, Isomatte und Schlafsack mit von der Partie sind. Da passt einfach alles rein und dass er nach dem Packen so schwer ist, dafür kann er schließlich nichts. Wenn man auf der Suche nach einem wirklich großen und robusten Rucksack ist, dann lohnt sich ein Blick darauf.

Rucksack für Bergfotografen

Rucksack für Bergfotografen

Auch auf jedem „Alltags-Abenteuer“ mit dabei: eine Power Bank von Anker mit 20000 mAh *.

Gedanken zur Bildbearbeitung

Seitdem ich fotografiere, nutze ich Capture One.

Anmerkung: Beim kritischen Überblicken meines Equipments fällt mir gerade auf, das ich irgendwie fast überall etwas „abseits vom Mainstream bin“ – keine großen Namen wie Canon, Nikon, Sony, oder Adobe.

Bei der Bildbearbeitung kann man sich seine mühevoll erarbeiteten Bilder schnell kaputt machen. Speziell zu Beginn – ich habe auch sehr viel Lehrgeld bezahlt – ist man schnell versucht, die „Zauberregler“ auf Maximum zu stellen.

Die vielfältigen und nicht überschaubaren Möglichkeiten der RAW-Konverter sollten mit Bedacht eingesetzt werden. Ganz wichtig dabei ist für mich zu verstehen, was mit dem Bild passiert, wenn man an den Reglern dreht.

Was ist der Unterschied zwischen Kontrast und Klarheit und welche Teile des Bildes sind betroffen. Hier ist viel Zeit letztendlich sehr gut eingesetzt. Mit folgenden Schlagworten kann ich persönlich gar nichts anfangen:

  • Ein HDR-Bild, wo man sofort erkennt, dass es ein HDR-Bild ist.
  • Die aktuell so populäre künstliche Intelligenz: Sky-Replacement al la Luminar (geht jetzt nicht auch Photoshop diesen Weg?) ist für mich eine Fehlentwicklung. Nicht technisch (es ist schon genial, was alles möglich ist), aber als Naturfotograf sehe ich hier ein Abdriften in eine Richtung, die für mich mit Fotografie nichts mehr zu tun hat. Ich bin noch etwas „Old School“ und stehe immer wieder gerne um 03.00 Uhr morgens auf, um einen Sonnenaufgang so zu erleben, wie ihn uns die Natur schenkt.
  • Keep it simple“ ist für mich bei der Nachbearbeitung das allerwichtigste Credo. Und auch die größte Herausforderung!

Equipment und Technik machen Spaß! Wenn du immer „am letzten Stand“ der Entwicklungen sein möchtest, sei dir bewusst, dass uu immer einen Schritt hinterherhinken wirst, viel zu schnell ist die Taktung an neuen Kameras, Objektiven & Co.

Wähle für dich mit Bedacht jene Dinge aus, die dir zusagen und guttun. Und dann stehe zu deinen Entscheidungen und freue dich mit deiner Ausrüstung!

Das Gewicht oder „Blood, Sweat and Tears“

Die treuesten Begleiter in der Bergfotografie sind jede Menge Höhenmeter und viel, viel Steilheit. Und da ja bekanntlich Sonnenauf- bzw. -untergänge meistens die attraktivsten Lichtstimmungen mit sich bringen, solltest du einen für dich machbaren Kompromiss finden, rechtzeitig am Berg zu sein.

Das heißt entweder sehr früh aufstehen bzw. sehr lange oben bleiben und damit in der Nacht wieder abzusteigen. Hier hast du mehrere Möglichkeiten:

Suche dir Locations in der Nähe einer Berghütte, wo Du übernachten kannst. Das spart ganz schön Gewicht im Rucksack. Oder du bist ohnehin „minimalistisch“ unterwegs und übernachtest in einem Biwak (dafür solltest Du eine extrem verlässliche Wetter App besitzen).

Ist beides für dich keine Option, dann kommen schnell Schlafsack, Isomatte und Zelt ins Spiel.

Spätestens jetzt musst du mit Gewichten von 20 kg und mehr rechnen, die irgendwann gnadenlos auf deine Schultern drücken. Selbst wenn du penibel auf Gewichtsreduzierung schaust, wirst du kaum unter die genannte Marke kommen. Spare hier nicht am falschen Platz!

Ein stabiles und trotzdem leichtes Zelt (Nordisk Svalbard, siehe Bild), ein warmer Schlafsack (Carinthia) und ein ausreichend großer Rucksack sind das Fundament für einen sicheren Aufenthalt am Berg!

Zelt Berge

Leichtes Zelt für einen Bergfotografen

Ein kleiner Gaskocher und das notwendigste Geschirr dazu (MSR Gear), vor allem für einen frischen Becher Kaffee, und der Rucksack ist prall gefüllt bis in die letzte Ecke.

Und lerne, Deine körperliche Kondition richtig einzuschätzen. Sich mit „den letzten Körnern“ auf einen Berg zu schleppen ist die denkbar schlechteste Voraussetzung für tolle Bilder!

Ich weiß da, wovon ich spreche.

Zu guter Letzt noch ein genialer Tipp: Red Whips von Think Tank *.

Diese unscheinbaren und kleinen Kabelwickler sind so was von genial und praktisch. Sei es, um etwas am Rucksack zu befestigen, oder am Stativ, sei es, dass Du damit Deinen mitgenommenen Kabelsalat organisieren kannst . . . ich liebe diese kleinen Dinger über alles!

Ein Tagesausflug am Berg ist etwas anderes als eine Übernachtung dort oben. Ich habe ganz selten etwas im Rucksack, was ich auf einer Tour nicht wirklich gebraucht hätte. Überdenke deine Dinge sorgsam, die du mitnimmst.

Und noch etwas: ich liebe es, Bergseen zu fotografieren. Nicht nur wegen der sehr lohnenden Motive, sondern auch, weil ich mir dadurch erhebliches Gewicht beim Schleppen des notwendigen Wassers erspare!

Die Zeit

Ein Eingeständnis meinerseits gleich zu Beginn. Ich bin grundsätzlich ein eher ungeduldiger Mensch.

Als Bergfotograf hast du meiner Einschätzung nach einen riesengroßen Vorteil gegenüber z.B. Wildlife- oder Sportfotografen.

Du hast keinen Zeitdruck, weil dir in der Regel nichts davonläuft!

Ich versuche mir diese Tatsache zum Vorteil zu machen, indem ich diese „gewonnene Zeit“ für meinen Bildaufbau nutze. Ich kann nach Herzenslaune experimentieren, was ein paar Schritte vor oder zurück oft ausmachen.

Komme ich an eine neue Location, so habe ich im Laufe der Jahre fast schon eine Art Ritual entwickelt. Zuallererst kommt einmal der Rucksack runter, was für eine Erleichterung! Dann setze ich mich meistens hin und versuche, meinen Sauerstoffgehalt wieder ins Reine zu bringen.

Ich sitze dann oft sehr lange und beginne, im Kopf erste Kompositionen zu „basteln“. Was könnte zusammenpassen, woher kommt das Licht bzw. wohin entwickelt es sich. Ich versuche, eine Fülle an Ideen zu finden, da ich gelernt habe, dass es immer von Vorteil ist, auch einen Plan B (und auch C) zu haben.

Allerdings gestehe ich gerne ein, dass ich nicht immer so geduldig war. Es gab durchaus auch Zeiten, wo ich, ganz nach dem Motto „was Du hast, kann Dir keiner mehr wegnehmen“ drauf losfotografiert habe. Dieses sich „langsam nach Vortasten“ hat sich für meine Art der Fotografie sehr positiv ausgewirkt.

Ich habe gelernt, dass ich mehr wahrnehme, wenn ich langsamer bin! Viele Fotografen nutzen auch Ihr Smartphone, um mögliche Kompositionen auszuprobieren. Komischer weise habe ich mich damit nie anfreunden können.

Ich nehme nach meiner „Ankommens-Zeit“ dann lieber meine Kamera in die Hand und probiere, meistens im Live-View, verschiedene Positionen aus. Dabei leistet ein schwenkbares Display herrliche Hilfsdienste. Eigenartigerweise nutze ich den Sucher eher selten. Einen wirklichen Grund kann ich dafür gar nicht nennen, das hat sich einfach im Laufe der Jahre so ergeben.

Bin ich dann schlussendlich „fündig“ geworden, dann stelle ich mein Stativ auf, packe die Kamera darauf und warte. Ich habe auch im Laufe der Zeit erkannt, dass es für mich sehr wichtig ist, die Landschaft nicht nur durch den Live View zu erkunden. Es ist für mich genau so zur Routine geworden, neben meinem Stativ zu sitzen und die Szenerie „lediglich mit meinen Augen“ zu beobachten.

Es ist unendlich spannend, den Wolken zuzusehen und wie sich das Licht dadurch immer wieder verändert. Und ich habe mir noch etwas angewohnt. Ich drehe mich ganz bewusst weg von meinem Motiv und schaue auch in die entgegengesetzte Richtung. Dadurch habe ich schon des Öfteren geniale Motive entdeckt.

Mein Ziel an einer neuen Location ist aber auch ganz klar. Ich möchte nicht nur mit „dem einen, genialen“ Bild nach Hause kommen. Für einen einzigen Bildausschnitt irgendwo hinauf zu kraxeln ist mir dann doch zu wenig. Ich versuche immer mehrere verschiedene Motive zu realisieren (eben den Plan B und C)

Von den Einstellungen her habe ich einen sehr simplen Zugang. So oft es möglich ist, fotografiere ich mit der automatischen Blendenvorwahl (A-Modus), meistens so um Blende 11.

Mit der Belichtungskorrektur regle ich dann die Details. Beim Fokussieren benutze ich durchaus auch den Autofokus, komm ich damit nicht klar, dann fokussiere ich manuell.

Dabei ist für mich das Fokus Peaking zu einer sehr großen Hilfe geworden.

Beim Thema Bildaufbau versuche ich immer, getreu dem Motto „Keep it simple“ vorzugehen. Wenn ich eine interessante Gebirgskette fotografiere, dann lebt so ein Bild oft vom Berg alleine und einem – hoffentlich – interessanten Himmel.

Bergkette

Fotografieren von Bergketten – Das Bild lebt oft von dem Berg alleine (Zitat Klaus Bernhard)

Ansonsten versuche ich immer, einen interessanten Vordergrund mit einzubeziehen. Solche Bilder erzählen meistens eine bessere Geschichte.

Wann immer es möglich ist, versuche ich, Wasser in irgendeiner Form mit einzubeziehen. Sei es ein Bergsee mit attraktiver Spiegelung, oder auch ein Gebirgsbach. Ich liebe es, Wasser und Berge zu vereinen.

Bergsee

Großartige Motive – Seen in den Bergen

Ich bin sehr bemüht, speziell die Ecken und Ränder meiner Bilder zu komponieren, dadurch ergibt sich meist ein „rundes Bild“. Es ist mir aber auch immer wieder eine „Freude“, ganz bewusst bestehende Regeln zu brechen und eigene Wege zu gehen.

Bergsee mit Spiegelung

Wasser ist immer magisch in den Bergen

Ecken Bilder

Attraktive Bildecken und -ränder komponieren

Um mir eine größtmögliche Kreativität bei der Wahl des Bildausschnittes zu bewahren, hat sich für mich folgendes als äußerst hilfreich herausgestellt:

Ich habe mir, neben der Landschaftsfotografie, ein zweites Betätigungsfeld gesucht, das so gar nichts mit Bergen & Co. zu tun hat. Das Fotografieren in der Stadt.

Ein völlig neuer und anderer Zugang zum Bildaufbau mit Linien und Symetrien und weiteres.

Durch dieses ganz bewusste „Switchen“ habe ich eine zusätzliche Sichtweise bekommen und ich denke, die tut mir sehr gut.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Berge laufen dir nicht davon. Ich genieße diese Gelassenheit und Ruhe sehr. Sie ist für mich eines der wertvollsten Gefühle in der Bergfotografie.

Ich beschenke mich quasi selbst mit unvergesslichen Momenten, die auch nur mir alleine gehören. Ein unbezahlbarer Luxus!

Planung

Planung ist alles! Stimmt.

Ich habe eine riesengroße Freude am Planen und suchen von möglichen, neuen Standorten. Ich kann stundenlang mit dem Finger über diverse Landkarten „wandern“. Dabei entsteht dann immer wieder ein intensives Gefühl der Vorfreude!

Zusätzlich unterstützen mich jede Menge Apps bei Berechnung des Sonnenstandes oder bei der Wahl der richtigen Route. Bei all diesen feinen und praktischen „Helferleins“ möchte ich dennoch eine kleine Erfahrung weitergeben.

Erst kürzlich war ich mit einem befreundeten Fotografenkollegen mit Zelt an einem Bergsee zum Fotografieren. Speziell für den Sonnenaufgang hat jeder für sich nach langem Hin und Her probieren einen vielversprechenden Bildausschnitt gefunden. Leider war aber am nächsten Morgen (so ganz gegen die Voraussage der Wetter App) keine einzige Wolke am Himmel.

So musste halt der obligatorische „Sonnenstern“  herhalten.

Sonnenstern

Sonnenstern

Das richtige „Highlight“ fand aber genau hinter uns statt. Mit einem Mal warf die Sonne ein herrliches Alpenglühen auf einen Gipfel, der sich in einem kleinen Bergsee spiegelte.

Bergspiegelung

Bergspiegelung in traumhaften Farben

Nie und nimmer hätten wir am Vortag an dieser Stelle so ein Schauspiel vermutet.

Alpenglühen

Herrliches Alpenglühen

Was ich daraus lerne?

Gib Deiner „Backside“ immer eine Chance! Bei all der genauen Planung und Vorbereitung bleibe ich immer „offen für das, was dir die Natur unverhofft bietet“. Durch wachsames und aufmerksames Beobachten ist schon so manches Top-Bild erstanden.

Hier eine kurze Zusammenstellung, was sich für mich im Laufe der Zeit als ganz hilfreich herausgestellt hat:

  • Wanderkarten im Maßstab von 1:50.000 (noch besser ist 1:25.000) von Kompass.
  • Die App des österreichischen Alpenvereines fürs Planen und auch für das Bergwetter.
  • Meteoblue als Wetter App. Diese zeigt mir – mehr oder weniger richtig – auch die Intensität und Höhe von Wolken an.
  • PhotoPills als „Füllhorn“ für alles was mit Sonne, Mond etc. zu tun hat.
  • Peak Finder: eine geniale App, um ein Bergpanorama mit seinen Gipfeln zu bestimmen.
  • Google Earth: hier kannst du dir in der Pro-Version den Verlauf der Sonne bzw. die Schattenbildung im Laufe eines Tages anzeigen lassen. Genial!

Unser Alltag ist heutzutage sehr dicht verplant und getaktet. Bewahre dir bei deinem liebsten Hobby genügend Freiraum und Spontanität. Verlasse auch einmal den vorgezeichneten Weg um ein paar Schritte nach links oder rechts zu tun.

Und freue Dich, dadurch jede Menge Neues zu entdecken!

Beherrsche Dein Equipment

Ich möchte zum Abschluss nochmals auf das Thema Kamera & Co. eingehen. Diese „Standardweisheit“ in der Überschrift wird oftmals negiert, da schließe ich mich selber nicht aus!

Wie wichtig es ist, seine Kamera „im Schlaf“ zu beherrschen, zumindest die wenigen Einstellungen, die ich im ersten Gedanken beschrieben habe, erfährt man erst, wenn eine unverhoffte Situation auftaucht, die rasches Handeln erfordert (ja, gibt es mitunter auch am Berg) und wir sie nicht festhalten konnten, weil wir an all den Knöpfen und Schaltern herumgedreht haben.

Auch ich kann hier noch einiges dazu lernen!

Bekräftigt zu diesen Gedanken hat mich ein Video des sehr bekannten Wildlife Fotografen Morten Hillmer, das ich hier anfüge.

Ja, auch ich hasse Bedienungsanleitungen!

Aber ich habe akzeptiert, dass sie ein notwendiges Übel sind. Augen zu und durch. Dein Basiswissen als Rüstzeug zu besseren Fotos beginnt genau hier!

Ein Anliegen

Zu guter Letzt noch ein großes Anliegen von mir. Gerade in den letzten Wochen konnte man vermehrt von Wildcampern hinterlassene Müllberge und immense Lärmbelästigung für die Tiere lesen.

Bei all meiner Naturverbundenheit schaue ich penibel darauf, meinen Zeltplatz so zu verlassen, wie ich ihn vorgefunden habe, nämlich naturbelassen.

Durch das Besuchen von immer mehr Menschen entstehen neue Probleme. Durch ein unverzeihliches Handeln einzelner „schwarzen Schafe“ am Berg entstehen immer mehr Verbote.

Machen wir nicht den Fehler, unsere Natur dadurch für uns alle „immer kleiner“ zu machen. Habt Respekt vor diesen unzählig schönen Plätzen.

Danke schön!

Schlusswort

Ich habe mich sehr gefreut, gemeinsam mit Euch diese kleine „Wanderung“ unternommen zu haben.

Alle Gedanken beruhen auf meiner persönlichen Erfahrung und Erlebten. Auch ich bin noch lange nicht „am Ziel“ und lerne immer wieder dazu.

Wenn jemand von Euch an weiteren Details interessiert ist, so freue ich mich über jede Frage.

Mit den besten Wünschen für schöne Stunden in den Bergen,

Euer Klaus Bernhard

„Man geht nicht fort, um irgendeinen Gipfel zu besteigen. Der wirkliche Grund, fortzugehen ist, wieder nach Hause zu kommen.“

Sinngemäß nach dem Südtiroler Bergsteiger Hanspeter Eisendle

Zu meiner Person  – Klaus Bernhard

TitelAls Jugendlicher kann ich mich noch sehr gut daran erinnern, dass meine Eltern Ihre Freizeit vorwiegend in den Bergen verbracht haben. Damals (in meiner „Sturm- und Drang Zeit“) konnte ich dem so ganz und gar nichts abgewinnen.

Heute „wandle“ ich auf deren Spuren und in vielen gemeinsamen Gesprächen bekomme ich noch heute „heiße“ Tipps , wo es besonders schön ist. Und so habe ich, als Steirer, im Laufe der letzten Jahre, mein bevorzugtes „Revier“, die Obersteiermark, entdeckt.

Egal ob Ennstal, Gesäuse, die Schladminger Tauern oder das famose Sölktal, hier finde ich ein unerschöpfliches „Füllhorn“ an Möglichkeiten, unvergessliche Momente in den Bergen mit nach Hause zu nehmen.

Seit über 5 Jahren ist die Kombination von Fotografieren und Wandern zu einem nicht mehr weg zu denkenden Fixpunkt in meinem Leben geworden. Und ich habe das große Glück, das meine liebe Frau Claudia diese Leidenschaft großzügig unterstützt, obwohl Sie mit den Bergen so gar nichts „am Hut“ hat.

Was folgendes Zitat von Ihr eindrücklich unterstreicht: „Ich liebe die Berge – von unten!“

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Bilder © Klaus Bernhard

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