Jürgen Weginger – Das Gefühl von Freiheit in den Bergen

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Jürgen Weginger

Der folgende Beitrag ist ein Gastbeitrag des österreichischen Natur-Fotografen Jürgen Weginger.

Vielen Dank für Deine Bemühungen!

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Jürgen Weginger

Das Gefühl von Freiheit in den Bergen

Ich liebe die Bergfotografie, sie liefert mir das Gefühl von Abenteuer und Freiheit in Österreich wie sonst keine Landschaft.

Leider verbringe ich nicht annähernd soviel Zeit in den Bergen wie ich gerne möchte.

So wie viele betreibe ich die Fotografie neben meinem Hauptberuf und somit ist die Zeit begrenzt und natürlich auch abhängig vom Wetter.

Es ist aber nicht nur die Zeit, die mich davon abhält, öfters in den Bergen unterwegs zu sein. Auch andere Gebiete und Motive reizen mich wie Wälder und Klammen.

Auch hier verbringe ich gerne viele Stunden mit der Fotografie.

Das dritte im Bunde ist mein etwas angeschlagener Körper. Ich habe in beiden Knien einen Knorpelschaden und mein linkes Knie ist bereits operiert worden.

Ich kann immer noch Bergtouren gehen, aber was Distanz, Steigung und Häufigkeit angeht, sind mir hier Grenzen gesetzt.

Diese Grenzen überschreite ich zwar hin und wieder aus abenteuerlichen Leichtsinn und Übermotivation, aber dies bereue ich dann meistens die Tage danach.

Warum fotografiere ich Berge?

Es ist wohl immer schwer zu erklären, zumindest für mich, warum man etwas gerne tut so wie die Frage, warum ich die Naturfotografie so liebe.

Aber was die Berge betrifft, hängt es wohl auch davon ab, ob man sie immer um einen herum hat.

Ich lebe in Österreich, ein Land der Berge, Täler und Flüsse. Wir sind ein Alpenland und da liegt es wohl nahe, dass man sich als Naturfotograf früher oder später mit den Bergen auseinandersetzt.

Aber nicht nur deswegen liebe ich die Bergfotografie.

Ich spreche wohl jeden Fotografen aus dem Herzen, wenn ich sage, es gibt wohl nichts Schöneres als einen markanten, charaktervollen Berg vor sich zu haben mit einem idyllisch vor sich liegenden See.

Womöglich mit einer perfekten Spiegelung. Aber dies ist nur eine Facette der Bergfotografie.

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Spiegelung in den Bergen

In meinen Bildern suche ich immer eine gewisse Dramatik. Es muss Spannung herrschen.

Postkartenmotive mit einem Berg, wolkenlosen Himmel und einer grünen Wiese davor sind sicher schön und perfekt für eine Wanderung, aber ich suche das Dramatische.

Etwas, dass die Natur gewaltig und gefährlich erscheinen lässt, um zu zeigen, dass es etwas gibt, was größer ist als wir alle.

Mit keinem Motiv oder Landschaft habe ich dies besser umsetzen können als in den Bergen. Man fühlt sich klein und unbedeutend, sterblich beim Anblick eines charaktervollen massiven Berges mit tief hängenden bedrohlichen Wolken, teilweise beleuchtet von der Sonne, die sich mühselig den Weg durch die Wolkendecke bahnt.

Lichtstimmungen sind für meine Fotografie ausschlaggebend, sie kreieren oder zerstören ein Bild. Solche bildgewaltigen Lichtstimmungen sind selten, und noch viel seltener, wenn man sich nur alle paar Wochen oder Monate in den Bergen aufhält.

Schladminger Tauern
Blick auf den Dachstein

Bei klarem Himmel und Sonnenschein, wirken die Berge blass und eindimensional. Das Licht ist sehr hart und erhöht den Kontrast auf unerwünschte Art und Weise. Der Fels wirkt auf dem Bild weiß. 

Aber wie schon erwähnt, ist man nicht jeden Tag in den Bergen unterwegs und schon gar nicht, wenn die Wetterverhältnisse optimal wären. Man nutzt und nimmt also das, was man bekommt und so bin ich auch schon mit einem kitschigen Postkartenmotiv zufrieden, solange es etwas besitzen, was mich anzieht.

Schon ein leicht bedeckter Himmel, oder ein paar Wolken, können einen positiven Effekt ausüben, ob ich meine Kamera auspacke oder nicht.

Welche Ausrüstung?

Was Ausrüstung betrifft, sind wir Fotografen wohl alle gleich, mehr oder weniger.

Ich mag Ausrüstung, ich mag Fotoausrüstung. Ich spiele gerne damit herum, benutze sie und schleppe sie in einem Rucksack gerne mit mir herum.

Ich interessiere mich für kleine Gadgets, Stative, Objektive, Kameras aber auch Schlafsäcke, Zelte, Trinkflaschen (vor allem Trinkflaschen) und den ganzen restlichen Markt an Outdoor-Ausrüstung.

Aber allen voran ist die Ausrüstung ein Werkzeug, das benutzt wird. 

So sehr ich aber ein kleiner Ausrüstungsfreak bin, und ein leidenschaftlicher Anhänger von EDC-Videos auf YouTube, spreche ich nicht wirklich darüber.

Für mich ist immer die Aufgabe, die ich mit dieser Ausrüstung erledigen kann, wichtiger und vorrangiges Gesprächsthema.

Trotz GAS (Gear Acquisition Syndrom) bleibe ich meiner Ausrüstung ziemlich lange treu.

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Alaska Range, Homer Spit, Alaska

Seit Beginn meiner Fotografie benutze ich Canon.

Nicht weil ich ein Fanboy oder ähnliches bin, sondern ganz einfach, weil ich keinen Grund hatte und habe, zu einem anderen Hersteller zu wechseln, obwohl, das Mittelformat von Fuji schon sehr mein Interesse auf sich zieht.

Meine Objektive sind im Schnitt alle 10 Jahre alt, mein 70-200 f2.8 sogar schon 16 Jahre.

Alles funktioniert und es besteht kein Grund etwas auszutauschen. Der Wechsel zu einer Systemkamera macht aus reinen technischen Gründen für mich keinen Sinn.

Mehr Megapixel? Ja, vielleicht, aber das ist dann mehr ein “Must Have“ als wirklich notwendig.

Hier eine kurze Aufstellung meiner wichtigsten Ausrüstung:

  • Canon EOS 5D Mark 4
  • Canon EF 16-35 f4
  • Canon EF 24-105 f4
  • Canon EF 70-200 f2.8
  • F-stop Tilopa Fotorucksack
  • Rollei Lion Rock 25 Stativ
  • Kirk BH-3 Kugelkopf
  • Breakthrough Photography Polarisationsfilter
  • Breakthrough Photography Polarisationsfilter mit integrierten 5 Stopp Graufilter

Seit zirka ein zwei Jahren habe ich auf Grauverlaufsfilter völlig verzichtet. Mir war das Hantieren und das Mitschleppen einfach zu aufwendig.

Außerdem gefiel mir der Look, der mit Grauverlaufsfiltern erzeugt wurde, immer weniger.

Seit Lightroom die HDR-Funktion bekam und alle anderen HDR-Programme, die ich verwendete, meiner Meinung nach in den Schatten stellte, fing ich an, immer mehr HDR-Bilder zu erstellen, wenn die Notwendigkeit bestand.

Die Resultate wirkten für mich natürlicher und näher an meiner Vorstellung des Bildes.

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Astrofotografie im Slöktal

Meine Tipps für Anfänger?

Nun, um hier ein paar Tipps aufzuführen, die auch nützlich sind, überspringe ich hier mal die Themen, dass man sich mit seiner Kamera auskennen soll und einigermaßen über Bildgestaltung Bescheid wissen sollte.

Deswegen konzentriere ich mich speziell auf Berg-bezogene Tipps.

1. Kondition

Es wird ja immer wieder diskutiert, dass Systemkameras um einiges leichter sind als Spiegelreflexkameras.

Egal womit Sie fotografieren, Sie können gar nicht soviel an Gewicht einsparen um sich wirklich eine signifikante Erleichterung beim Erobern eines Berges zu verschaffen.

Jedes halbe Kilogramm wird mit jedem Meter schwerer und schwerer. Und hier ist es egal ob Sie ein Kilo beim Packen sparen. Sie wollen ja fotografieren, sie wollen ansprechende Bilder produzieren und hierfür brauchen sie nunmal eine gewisse Ausrüstung. 

Um nach dem Aufstieg noch genügend Energie zur Verfügung zu haben, um kreativ tätig zu sein, hat die Kondition top Priorität. Es hilft nicht, wenn sie gerade so Ihren Fotospot erreichen und dann zu erschöpft sind, um sich Ihren Motiv ausreichend widmen zu können.

Machen Sie es sich nicht zu leicht, packen Sie immer Ihren Fotorucksack mit allen, was Sie haben und nehmen Sie ihn bei jedem Spaziergang mit, auch bei kurzen Wanderungen.

Gewöhnen Sie Ihren Rücken an das Gewicht bevor Sie eine gröbere Tour starten. Es passierte mir nicht nur einmal, dass ich Möglichkeiten, ein gutes Bild zu bekommen, verpasste, weil ich zu müde und erschöpft gewesen war.

Deswegen sollte man sich vorbereiten, wenn man eine Fototour in die Berge plant.

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Kaltenbachseen, Sölktal

2. Erkundungstour und Ausrüstung

Ein Tipp, den ich selber zu selten befolge, ist, das Gelände vorab zu erkunden und zwar mit leichtem Gepäck.

Wir wollen ja unser Motiv unter besten Lichtbedingungen fotografieren. Hierfür sind natürlich einige Informationen wichtig.

Wo geht die Sonne auf und wo geht sie unter?

Wie lange brauche ich zu meinem Fotospot?

Wie ist die Beschaffenheit des Weges?

Kann ich ihn auch in der Dunkelheit bewältigen oder ist er zu gefährlich?

Welche Ausrüstung benötige ich?

Brauche ich mein schweres Teleobjektiv oder komme ich mit einem leichten Teleobjektiv aus?

Kenne ich das Gelände und die Aussicht, kann ich meine Ausrüstung besser zusammenstellen und somit etwas an Gewicht einsparen?

Liegt der Berg in der Nähe, ist es ein leichtes, ihn immer wieder zu besuchen und diese Vorarbeit zu leisten. Liegt aber weiter weg, gibt es nur die Möglichkeit, mehr Zeit einzuplanen.

Zwei oder drei Tage sind für mich ein Minimum, habe ich wirklich vor ein bestimmtes Bild zu bekommen.

Es hängt natürlich davon ab, ob ich eine längere Bergtour zu meinem Fotospot vor mir habe, oder ich mit dem Auto knapp zu meinem auserwählten Punkt fahren kann.

Nehmen sie sich die Zeit, den besten Platz zu finden und den besten Zeitpunkt abzuwarten, oder zu planen. Ob sie dafür auf einer Berghütte übernachten oder im Tal, liegt daran, wo dieser Punkt sich befindet.

3. Nichtfotografische Ausrüstung

Nicht zu vergessen ist die Ausrüstung, die nicht fotografischer Natur ist.

Für Bergtouren sollte man sich unbedingt die richtige Kleidung zulegen. Ich bin kein Fachmann, oder ausgebildeter Bergführer, informieren sie sich deshalb bei Personen, die Ihnen hier weiterhelfen können.

Aber es sollten folgende Dinge nicht im Rucksack fehlen, uns zwar zu jeder Jahreszeit, auch im Sommer. 

  • Festes rutschfestes Schuhwerk
  • Regenbekleidung
  • Warme Bekleidung (auch im Sommer)
  • Ausreichend Flüssigkeit, Trinkflasche
  • Proviant (Snacks, Schokolade, Müsliriegel)

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Sharkfin, Rocky Mountains, Kanada

4. Wetter und Sicherheit

Ich bin kein Wetterexperte!

Erkundigen Sie sich genau über das Wetter an jenem Tag, an dem sie auf den Weg in die Berge sind.

Da wir ja Wolken und dramatisches Licht haben wollen, ist dies meistens von etwas schlechteren Wetterbedingungen begleitet. Schauen Sie, ob es an diesem Tag Gewitter oder heftigen Regen angesagt hat.

Bringen sie sich nicht unnötig in Gefahr!

Wenn Sie auf den Weg zu einer Hütte sind, vergewissern sie sich, dass das Gewitter erst über Sie hereinbricht, wenn Sie bereits auf der Hütte sind. 

Ein Gewitter auf einer Berghütte zu erleben ist ein abenteuerliches Erlebnis und das Licht danach ein Traum.

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Dachsteingebirge, Loser, Steiermark

Wo fotografierst du Berge?

Für mich zählt als Erstes das Bild.

Alles danach kommt dann von allein.

Sehe ich ein Bild, oder sieht ein Gebiet auf der Karte interessant aus, schaue ich wie ich dorthin komme.

Danach evaluiere ich, ob eine Wanderung notwendig ist, oder ich bequem mit dem Auto hinfahren kann bzw. aus dem Tal fotografieren kann. Es gibt viele bequeme Möglichkeiten, traumhafte Bergkulissen zu fotografieren, ohne stundenlang auf einen Berg zu marschieren.

Das Almtal präsentiert ein wundervolles Gebirge mit einem See davor, wo man, mit etwas Glück, eine herrliche Spiegelung der Berge im Wasser erhält.

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Bergspiegelung im Almtal

Zum Schluss

Berge zu fotografieren ist ein Genuss, den ich noch lange empfinden möchte.

Ich glaube nicht, dass ich mich jemals satt fotografiert habe, an den wundervollen Bergkulissen.

Das Glücksgefühl, das man als Naturfotograf bekommt wenn man eine atemberaubende Szenerie in einem Bild festhält, ist für mich einfach unbeschreiblich.

Somit möchte ich diesen Artikel mit dem folgenden Zitat beenden:

Everybody needs beauty…places to play in and pray in where nature may heal and cheer and give strength to the body and soul alike – John Muir

Mehr Tipps von Jürgen Weginger findet ihr in seiner Bergfotografie-Playlist auf YouTube

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