Wandern in den Simien Mountains

Simien Mountains im Norden Äthiopiens

Wandern in den Simien Mountains

Nach zehn Jahren Bergsteigen und Wandern in den heimischen Gebirgen wollte ich mir unbedingt auch mal die Bergwelten abseits der Alpen ansehen.

So ist vor ein paar Jahren die Idee entstanden, mir die schönsten Berge der Welt anzusehen und zu fotografieren.

Meine Reisen haben mich dato in die Fjorde des Oman, ins Tibetische Hochland und in die Schottischen Highlands geführt.

Ich habe großartige Landschaften und viele gleichgesinnte Menschen kennengelernt und schöne Erfahrungen mit ihnen geteilt. Diese Reisen haben mein Leben unglaublich bereichert.

Das erste Mal Afrika

Afrika war bis jetzt noch ein weißer Fleck auf meiner Reise-Landkarte.

Das sollte sich Mitte 2019 ändern, als ich das erste Mal Fotos vom Norden Äthiopiens gesehen hatte.

Die Simien Mountains, die sicher zu den bekanntesten Gebirgsgruppen in Äthiopien zählen, haben mich von Anfang an in ihren Bann gezogen.

Es gibt keine vergleichbaren Berge wie die Simien Mountains.

Schaut euch doch mal kurz dieses Teaser-Video von mir über die Berge von Äthiopien an, dann werdet ihr wissen was ich meine.

Ein halbes Jahr später befinde ich mich im staubigen Städtchen Debark mitten im Äthiopischen Norden und mein Zelttrekking am Dach Afrikas beginnt.

Meine Erfahrungen beim Reisen in Äthiopien und eine umfangreiche Beschreibung der Klassischen Rundreise im Norden des Landes habe ich euch bereits vorgestellt.

Derbak Simien Mountains

Das staubige Debark am Fuße der Simien Mountains

Hier jetzt mein Erfahrungsbericht vom Wandern in den Simien Mountains.

 

Lasst euch von dieser großartigen Bergwelt verzaubern.

 

Darf es ein wenig Bürokratie sein?

Wandern in Äthiopien

Wandern in den Simien Mountains – Simien Mountain Office 

Im Touristen Office der Simien Mountains in Debark werden zunächst unsere Namen und Herkunft für statistische Zwecke benötigt.

Das Procedere dauert allerdings nicht lange und wir sind bald bereit, in die Berge aufzubrechen.

Unser Guide erklärt uns währenddessen was die etwas seltsamen Schilder, die an der Wand hängen, für eine Bedeutung haben.

Schilder im Touristen Office in den Simien Mountains

Das linke Schild ist wohl klar:

Man soll die Tiere im Nationalpark nicht füttern!

Konkret zeigt es das Abbild eines Dschelada, den endemisch vorkommenden Brustpavian, der es nur hier in den Simien Mountains gibt.

Das rechte Schild war uns nicht ganz schlüssig.

Ich sags jetzt mal umgangssprachlich:

Bitte die eigene Kacke tief genug vergraben!

….sonst stirbt der Äthiopische Wolf daran, wenn er sie frisst!

Das will hier niemand, denn der Äthiopische Wolf ist eines der seltensten Tiere, die es gibt und kommt ebenso nur endemisch hier in den Bergen Äthiopiens vor.

Ohne Scouts und Koch geht nichts!

Mit auf die Reise in die Berge kommen drei Männer mit Gewehren, die sogenannte Scouts. Scouts sind beim Trekking in den Simien Mountains immer obligatorisch.

Sie sollten die Touristen im Nationalpark vor wilden Tieren und vor Diebstahl in den Camps schützen.

Natürlich sind sie auch ortskundig und helfen beim Navigieren durch die Berge. Sie haben ein sehr gutes Auge für die seltene Flora und Fauna in den Bergen.

Unser Reisebus wird immer voller, den zu unserer 12-köpfigen Reisegruppe samt Guide gesellt sich nun auch noch ein Koch und ein Kochgehilfe, die uns in den nächsten vier Tagen ausgezeichnet verköstigen werden.

Akklimatisationstour in den Simien Mountains

Nun geht es endlich los. Eine Straße führt uns hoch hinauf in die Simien Mountains. Die Straße durchzieht das gesamte Gebirge.

Nach gut einer Stunde erreichen wir den ersten Ausgangspunkt unserer Trekkingetappe. Es ist bereits spät am Nachmittag und wir machen heute nur eine kurze Akklimatisationswanderung zu unserem ersten Camp.

Wir befinden uns schon seit einer Woche im Hochland, aber Bewegung auf über 3000 m ist dann doch etwas anderes als das viele Sitzen im Bus. Ein wenig spüren wir die Höhe also doch!

Die Wanderung führt uns entlang der Felskante durch lichte Haine. Unsere Aufwärmtour zeigt uns bereits beeindruckend, was uns landschaftlich in den nächsten Tagen erwarten sollte.

Haine in den Simien Mountains

Durch die Haine am späten Nachmittag

Aussichtspunkte beim Wandern in Äthiopien

Aussichtspunkte beim Wandern in Äthiopien

Wandern in den Simien Mountains

Unendliche Weiten der Simien Mountains

Die erste Nacht verbringen wir im Sankaber-Camp auf 3250 m. Unsere Zelte wurden bereits vor unserer Ankunft von unserem Reiseteam aufgebaut.

Sankaber-Camp Simien Mountains

Sankaber-Camp

Gemeinschaftsessen

Gutes Essen im Gemeinschaftszelt

Die Speisen, die uns unser Koch abends im großen Gemeinschaftszelt serviert, sind wirklich ausgezeichnet.

Ich hätte mir nie gedacht, dass wir hier soviel Auswahl an Gerichten bekommen.

Obwohl viel los ist im Camp, schlafe ich in der ersten Nacht richtig gut!

Simien Mountains am Morgen

Simien Mountains am Morgen

In der ersten Morgensonne beim Zähneputzen habe ich die Kamera mit dabei. Im warmen Licht des neuen Tages entsteht ein sehr stimmiges Foto von der typischen Form der Berge hier im Äthiopischen Hochland.

Trekking zum Gitch Camp (3600 m)

Nach dem Frühstück brechen wir zu unserer ersten ausgedehnten Wanderung im Simien Gebirge auf.

Unser Ziel heute ist das Gitch Camp auf 3600 m, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen werden.

Der Weg führt uns über gut befestigte Hirtenpfade immer wieder nahe entlang der Abbruchkante. Wir müssen die eine oder andere kurzen Passage im Fels überwinden, um wieder an einen der zahlreichen großartigen Aussichtspunkte zu gelangen.

Diesmal mit Ausblick auf einen Wasserfall.

Aussichtspunkt Wasserfall

Wandern in den Simien Mountains – Magischer Aussichtspunkt

Über uns kreist ein mächtiger Adler.

Adler Simien Mountains

Ein Adler kreist am Aussichtspunkt

Gegen Mittag dürfen wir dann auch endlich den bekanntesten Bewohner der Simien Mountains aus nächster Nähe betrachten.

Direkt vor uns hat sich eine Herde von Brustpavianen versammelt.

Die Dscheladas leben ausschließlich im Äthiopischen Hochland und sind freundliche Pflanzenfresser. Es stört sie gar nicht, dass wir ihnen ein wenig näher kommen, um Fotos zu machen.

Wandern in den Simien Mountains

Die freundlichen Brustpaviane, die Dscheladas

Gelada Simien Mountain

…die bekanntesten Bewohner der Simien Mountains

Nur füttern sollte man sie, wie gesagt, auf keinen Fall!

Wir verlassen die Dscheladas und wandern ein wenig bergab in ein kleines Flussbett, wo wir unsere Mittagspause einlegen.

Wenig Wasser

Selten gibt es Wasser…hier an einem Flussbett

Die Sonne hier auf über 3000 m ist schon wirklich extrem.

Ohne Sonnenschutz am Kopf und einer Creme mit Lichtschutzfaktor von 50 würde ich hier keinen Meter wandern.

Wandern in Äthiopien

Anstieg in der Wüstenlandschaft

Steppenlandschaft Berge Äthiopien

Steppe mit Kakteen

Nach der Pause haben wir noch einen steilen Anstieg vor uns. Die Natur zeigt sich in den Simien Mountains äußerst facettenreich: Fels, Steppen mit Palmen, Wüste und Haine…alles könnt ihr hier in den Bergen Äthiopiens finden.

Wir sind gut sieben Stunden unterwegs, ehe wir das weitläufige Areal des Gitch Camp erreichen, von wo wir in den nächsten Tagen die hohen Berge der Simien Mountains erwandern werden.

Gitch Camp

Gitch Camp – Unser Base Camp auf 3600 m

Abends am Kedadit (3760 m)

Um uns für unsere Tour auf 4000 m noch ein wenig besser zu akklimatisieren, entschließen wir uns abends noch eine kleine Wanderung auf den nahen „Hausberg“ des Gitch Camp, dem Kedadit, zu unternehmen.

Nach einem kurzen und einfachen Anstieg erreichen wir gegen 18:00 den Gipfel des Kedadit, wo wir wieder eine großartige Aussicht genießen dürfen.

Kedadit Simien Mountains

Am Gipfel des Kedadit auf 3760 m

Während des Abstieges wird es langsam dunkel und ich kann eine paar stimmige Fotos im Sonnenuntergang schießen.

Abendstimmung Gitch Camp

Ein besondere Stimmung…

Abendstimmung Gitch Camp-2

…wenn die Sonne in den Bergen Äthiopiens untergeht

Eisige Nächte im Gitch Camp

Während Untertags die Sonne brennt und es Temperaturen von bis zu 25 Grad hat, wird es nachts in den Bergen Äthiopiens bitterkalt.

Im ersten Camp war die Kälte beim Schlafen noch erträglich, aber hier auf 3600 m bedeutet kalt richtig kalt und zwar bis zu -5 Grad.

Es ist nicht nur kalt, sondern auch windig. Bereits beim Abendessen im Gemeinschaftszelt trage ich mein gesamtes warmes Gewand inklusive Daunenjacke.

Die Nächte sind lang, da man aufgrund der Kälte nicht lange im Gemeinschaftszelt verweilen kann.

Deshalb haben wir während unserer zwei Nächte im Gitch Camp auch immer das Gemeinschaftszelt recht früh am Abend verlassen und die Wärme unseres Schlafsackes gesucht.

Also unbedingt einen Schlafsack mitnehmen, der einen Komfortbereich von mindestens -5 Grad hat.

Die Nächte können lange und unruhig werden. Ständig gibt es irgendwo Geräusche! Also am besten Oropax mitnehmen.

Die Nächte haben mit ihrem klaren Blick auf den Himmel und auf die Sternbilder aber auch einen unglaublichen Reiz.

Hier ein Foto vom Sternenhimmel im Gitch Camp von meinem Reisekollegen Markus.

Sternenhimmel Afrika

Sternenhimmel mit Milchstraße über dem Camp (Bild Copyright Markus Rucks)

Auf die hohen Berge – Imet Gogo (3926 m) und Inatye (4070 m)

In den nächsten Tagen werden wir von unserem Basislager im Gitch Camp die Berge Imet Gogo und Inatye erwandern.

Die Touren starten immer früh am Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück im Mannschaftszelt. Trotz der kräftezehrenden Nächte sind wir alle fit für die sechs- bis siebenstündigen Wanderungen.

Die Simien Mountains sind zwar hoch, aber bei den Wanderungen müssen selten große Höhenunterschiede überwunden werden.

Die Anstiege sind aber meist sehr weitläufig und es geht oft rauf und runter.

Imet Gogo

Am Weg zum Imet Gogo können wir die imposanten Felsabbrüche der Simien Mountains aus nächster Nähe betrachten.

Imet Gogo Felsabbruch

Felsabbrüche am Weg zum Imet Gogo

Der Gipfel ist einfach zu erwandern, lediglich unterhalb des höchsten Punktes müssen wir ein paar Fels-Passagen in einfacher Kletterei meistern.

Imet Gogo Gipfel

Der Felsgipfel des Imet Gogo

Wandern in Äthiopien

Wieder mit einer gigantischen Aussicht

Natürlich gibt es am Gipfel wieder eine fantastische Aussicht auf die weitläufige Berglandschaft im Norden Äthiopiens.

Inatye

Am letzten Tag unseres Trekking steht nochmals ein absolutes Highlight auf unserem Programm. Wir werden heute nämlich die 4000 m Marke knacken und den höchsten Punkt unserer Reise, den Gipfel des Inatye auf 4070 m, erreichen.

Vom Camp aus wandern wir zunächst in einer weitläufigen Steppenlandschaft langsam bergauf.

Steppenlandschaft Simien Mountains

Wandern in Äthiopien…Weitläufige Steppenlandschaft

Inatye

Unser Ziel – Die Felsstufe im Hintergrund

Einer der Scouts entdeckt in der Ferne ein Tier, das uns allen niemals aufgefallen wäre. Ein Blick durch das Teleobjektiv zeigt mir, das vor uns tatsächlich ein Äthiopischer Wolf durch die Steppe schreitet.

 

Wir haben gerade eines der seltensten Tiere der Welt erblickt.

 

Folgendes Foto vom Äthiopischen Wolf konnte ich schießen.

Äthiopischer Wolf

Ein Äthiopischer Wolf

Wirklich ein besonderes Erlebnis!

Bevor wir den Gipfelanstieg in Angriff nehmen, geht es allerdings zunächst bergab. Der Pfad führt uns wieder direkt an den steilen Felsabbruch.

Weg zum Inatye

Bergab in der Mittagssonne

Felsabbruch

Ausblicke am Felsabbruch

Am Gegenhang steigen wir in der heißen Vormittagssonne bergauf. Die Haine schützen uns ein wenig vor der Hitze.

Maultiere in äthiopischen Bergen

Ein störrisches Maultier

Wer hier schon etwas müde ist, kann auch die Dienste eines Mulis in Anspruch nehmen. Die Tiere sind aber durchaus störrisch und eines der Maultiere wirft auf einem der engen Waldpfade tatsächlich einen zahlenden Gast ab!

Nach ca. vier Stunden erreichen wir kurz vor Mittag den Gipfel des Inatye auf 4070 m. Abermals dürfen wir von hoch oben die Weitläufigkeit der Simien Mountains betrachten.

Gipfel Inatye

Wandern in Äthiopien – Am Gipfel des Inatye auf 4070 m

Wir legen eine ausgiebige Gipfelrast ein.

Hier habe ich in aller Ruhe die Gelegenheit, ein stimmiges Foto von einem der Scouts zu machen, der sofort eine coole Pose mit seinem Gewehr einnimmt.

Äthiopischer Scout

Gipfelpose vom Scout

Wir wählen einen alternativen Abstiegsweg, wo wir an einem weiteren großartigen Aussichtspunkt eine Rast einlegen. Hier haben wir einen direkten Blick auf eine sehr markante Felsformation.

Letzter Aussichtspunkt

Der letzte Aussichtspunkt beim Wandern in den Simien Mountains

Langsam neigt sich nun unser Aufenthalt in den Simien Mountains dem Ende zu. Wir wandern noch ein wenig bergab und treffen an der Straße auf unseren Reisebus, der uns zurück nach Debark bringt.

Wandern in Äthiopien – Mein Fazit

Die Simien Mountains waren genauso beeindruckend, wie sie auf den Fotos wirkten, die ich mir vor der Reise angesehen hatte.

 

Diese Bergwelten sind einfach so ganz anders als das, was ich bis jetzt gesehen habe.

 

Ich war bei dieser Reise übrigens mit dem deutschen Outdoor-Reiseveranstalter Diamir Erlebnisreisen unterwegs, der ein Experte für Outdoor-Reisen in Äthiopien ist.

Ich wurde sowohl von Diamir in Deutschland, als auch von dem Reiseteam Vorort wirklich sehr gut betreut und kann Diamir absolut weiterempfehlen.

Die Reise wurde von mir selbst gebucht und bezahlt!

Die Wanderungen waren durchaus ausgedehnt, aber eigentlich sehr einfach und aufgrund der tollen Ausblicke nahe den Felsabbrüchen wirklich sehr spektakulär.

Wer es gerne etwas Exotischer mag, wird beim Wandern in Äthiopien sicher glücklich werden. Ich bin es auf jeden Fall!

Vergesst jedenfalls nicht, einen warmen Schlafsack mitzunehmen, denn die Nächte in den Simien Mountains waren wirklich bitterkalt.

Wie meine Reise vor und nach dem Wandern in den Simien Mountains weitergeht, habe ich im Beitrag Äthiopien Rundreise – Klassische Tour im Norden genau geschildert.

Meine Tipps zum Reisen in Äthiopien könnten vielleicht für euch auch spannend sein, wenn ihr eine Reise nach Äthiopien plant.

Stefan Blog

Über den Author
Der Wiener Fotograf und Autor Stefan Czurda ist Outdoor-Liebhaber, sportbegeistert und bereist exotische Bergwelten rund um den Globus. Wollt ihr mehr über mich erfahren oder mit mir zusammenarbeiten, dann freue ich mich, wenn ihr hier vorbeischaut!

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