Tamron 100-400 mm Test – Für mich eine Enttäuschung

Tamron 100-400 mm Test

Tamron 100-400 mm Test

Als Tamron letztes Jahr im Oktober sein neues 100-400 mm Telezoom vorgestellt hatte, war ich echt begeistert. Kompakt und leicht, Bildstabilisator, Ultraschallmotor und gewohnt gute Bildqualität von Tamron und das ganze um einen Preis unter 1000 Euro – nicht schlecht!

Eine starke Ansage, denn die 100-400 mm Objektive der Konkurrenz (Canon, Nikon, Sony) kosten entweder weitaus mehr oder konnten im Test nicht so ganz überzeugen (Sigma). Zu Weihnachten habe ich dann zugeschlagen und mir das Tamron 100-400 mm für meine Canon EOS 7D MKii bestellt, um es für die Sport- und Tierfotografie zu nutzen.

Nun habe ich es intensiv getestet und muß leider sagen, dass es mich nicht überzeugt hat. Warum? Das möchte ich Euch hier näher bringen.

Wozu braucht man eine 100-400 mm Linse?

Das Objektiv fühlt sich gut an! Es ist in seinem schlichten schwarzen Design schick, nicht zu groß und hat alles, was man von einem modernen Superteleobjektiv erwartet: Zoomlock, Umschalten zw. den verschiedenen Stabilisierungsmodi, einen angenehmen Zoomring und Schärfering.

Hier gibt es nichts auszusetzen. Ist zwar alles nicht so wertig wie bei den L-Linsen von Canon, aber das darf man um den Preis nicht verlangen.

Warum kauft man sich so ein Objektiv? Ganz klar, für die Tier- und Wildlife-Fotografie. Im Zoo, auf Safari oder am Hochstand kann man nicht genügend Brennweite haben. Das längste Objektiv ist hier meist immer noch zu kurz. Mit einer 100-400 mm Linse hat man aber einen guten Spielraum und ist im Vergleich zu Festbrennweiten flexibler!

Ebenso ist ein 100-400 mm Objektiv in der Sportfotografie gut zu gebrauchen, denn auch hier benötigt man oft lange Brennweiten, aber auch einen Autofokus, der rasch und flexibel fokussiert, damit man der Dynamik im Sport gerecht wird.

Meine persönlichen Ansprüche an eine 100-400 mm Linse sind die Bildschärfe und ein guter Autofokus, der auch bei bewegten Objekten gut funktionieren sollte. Auch am langen Ende des Brennweitenbereichs, also bei 400 mm, soll die Bildschärfe noch akzeptabel sein. Der Autofokus muss Tiere und Sportler gut nachfokussieren können.

Nach meinem Tamron 100-400 mm Test muss ich leider sagen, dass die Linse diese beiden doch essentiellen Eigenschaften leider nicht erfüllt. Nun dazu ein wenig mehr im Detail!

Tamron 100-400 mm Test – Bildschärfe

Zum Test war ich zunächst in Wien am Flughafen Schwechat unterwegs und habe Flugzeuge beim Landen fotografiert. Flugzeuge sind gute Motive für einen Objektivtest, denn sie bewegen sich und müssen mit großen Brennweiten fotografiert werden. Hier habe ich an einem Jännertag einige Serien geschossen, um die Bildqualität des Tamron 100-400 mm zu testen.

An jenem Tag war es zwar etwas diesig, aber es war genügend Licht vorhanden, um bei niedrigen ISO-Werten zu fotografieren. So hatte ich Spielraum, nicht nur bei Offenblende zu fotografieren, sondern auch etwas abzublenden, um zu testen, wie sich das Objektiv bei kleineren Blenden hinsichtlich der Schärfe verhält.

Geschossen wurden die Bilder mit einer Canon EOS 7D MKii mit kontinuierlichem Autofokus, der an den AF-ON Knopf gelegt wurde. Ich habe also mittels Back Button Autofokus fotografiert, wie ich das immer bei bewegten Objekten mache. Warum ich das mache könnt ihr in diesem Artikel (Tipp 6) im Detail nachlesen.

Tamron 100-400 mm-Flugzeug f-11

Tamron 100-400 mm-Flugzeug nahe

Tamron 100-400 mm Test am Flughafen (400 mm – f/10 – 1/640 s – ISO 200)

Das Bild oben habe ich bei 400 mm geschossen. Das erste Foto ist eine Komplett-Ansicht und das zweite die 100%-Ansicht aus Lightroom, um die Bildschärfe zu beurteilen. Fokussiert habe ich auf den „Austrian“-Schriftzug. Das Foto wurde leicht aufgehellt, aber ansonsten nicht bearbeitet. Das Foto ist ein entwickelte RAW aus meiner Canon EOS 7D MKii.

Tamron Objektive haben in der Regel eine sehr gute Bildschärfe, jedoch begeistert mich die Schärfe bei 400 mm leider gar nicht! Teleobjektive haben am langen Ende immer etwas weniger Schärfe, aber etwas mehr hätte ich mir schon erwartet.

Tamron 100-400 mm Test Offenblende

Tamron 100-400 mm Test Offenblende_nahe

Tamron 100-400 mm bei 400 mm (400 mm – f/6.3 – 1/1250 s – ISO 200)

Das Foto habe mit Offenblende geschossen, also mit der größten Blende bei 400 mm, die f/6.3 entspricht. Das Flugzeug hat sich kaum bewegt. Fokussiert habe ich auf das Logo am Heck der Maschine. Das untere Bild zeigt wieder die 100%-Ansicht in Lightroom.

Sorry, aber bei einer Belichtungszeit von 1/1250 s kann bei 400 mm eigentlich nichts verwackeln, denn so schnell hat sich der Jet nicht bewegt! Ich habe an diesem Tag noch weiter ähnliche Fotos geschossen und mir passt die Schärfe am langen Ende einfach nicht.

Tamron 100-400 mm bei 135 mm

Tamron 100-400 mm 135 mm nahe

Kaum bewegtes Objekt bei 135 mm (135 mm – f/11 – 1/640 s – ISO 200)

Etwas besser ist die Bildschärfe bei 135 mm Brennweiten, aber so recht vom Hocker haut sie mich trotzdem nicht! Ich habe mir keine Schärfe wie bei einem Canon L-Objektiv erwartet, aber trotzdem überzeugt mich die Schärfe leider nicht. Schade!

Schärfevergleich – Canon EF 70-200/2,8 II L IS USM

Bildschärfe Canon EF 70-200/2,8 II L IS USM  (200 mm – f/3.5 – 1/400 s – ISO 1000)

Hier zum Vergleich ein Bild vom Canon EF 70-200/2,8 II L IS USM bei 200 mm, das ich im Lainzer Tiergarten in Wien geschossen habe. Ok, die Linse kostet mehr als doppelt so viel, dennoch ist die Schärfe wirklich um Welten besser, auch am langen Ende und das auch noch bei ISO 1000. Der Vergleich ist vielleicht nicht ganz fair, denn das Objektiv hat keine 400 mm Brennweite am langen Ende, aber das Tamron kommt nicht einmal annähernd an die Schärfe des Canon 70-200 mm Objektivs heran.

Tamron 100-400 mm Test – Autofokus

Ebenso essentiell bei einem Teleobjektiv, das zum Schießen bewegter Objekte verwendet wird, ist ein rasches Nachfokussieren des Ultraschallmotors. Das Tamron ist mit diesem ausgerüstet. Ich habe den Autofokus im Tiergarten Schönbrunn in unterschiedlichen Szenarien getestet und möchte euch hier eine representative Bilderserie zeigen, die ich von Seehunden geschossen habe.

Ich habe die Tiere hier mit dem kontinuierlichen Autofokus geschossen, während sie sich ein wenig gestritten haben.

Das aktive Fokusfeld meiner Canon EOS 7D MKii war auf den rechten Seehund gerichtet. Im Kampf haben sich die Seehunde bewegt, aber nicht zu ruckartig! Die Fotos wurden mit Blenden zw. f/5.6-7.1 bei einer 1/125o Sekunde mit ISO 1600 geschossen. Die Brennweiten lagen zwischen 180 – 280 mm.

Die Bewegung der Tiere entspricht einer typischen Situation der Wildlife-Fotografie. Die Belichtungszeit von einer 1/1250 Sekunde erschien mir als ausreichend, um die Bewegung einzufrieren. Das Ergebnis was die Schärfe und somit die schnelle Nachfokussierung angeht würde ich mit befriedigend bezeichnen.

So ganz scharf ist der rechte Seehund eigentlich nicht, was sich leider auch in der Vergrößerung der Bilder deutlich zeigt.

Die Bilder in der zweiten Serie sind ident mit den Bildern oben, nur handelt es sich wieder um die 100%-Ansicht von jenem Bereich, der fokussiert wurde.

Bitte beurteilt die Bildschärfe selbst! Für mich einfach nicht das, was ich mir vorstelle.

Natürlich ist der Autofokustest mit Vorsicht zu genießen, wenn man berücksichtigt, dass die Bildschärfe des Tamron 100-400 mm von Haus aus nicht so berrauschend war. Ob es nun an der Schärfe liegt oder ob der Autofokus Schwachstellen besitzt, kann ich hier leider nicht beantworten.

Mein Fazit Tamron 100-400 mm

Schade…ich habe die Linse zurückgeschickt – leider! Ich habe mir keine Wunder bei diesem Kampfpreis erwartet, aber die Bildschärfe ist einfach ein zu wichtiges Kriterium bei der Qualität einer Linse und diese hat mir einfach nicht gepasst.

Kann natürlich sein, dass ich ein Sonntagsexemplar erwischt habe, aber das sollte dann natürlich auch nicht sein, auch nicht bei einem Preis von 860 Euro.

Ich hoffe mein Beitrag war hilfreich für Euch. Das war mein persönlicher Tamron 100-400 mm Test. Wenn ihr andere Erfahrungen gemacht habt, lasst es mich wissen und lasst einen Kommentar hier!

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