Reisebericht Äthiopien – Tipps und Erfahrungen

Äthiopischer Geistlicher

Reisebericht Äthiopien

Ende 2019 war ich 16 Tage im Norden Äthiopiens unterwegs und habe mir das erste Mal die Bergwelten von Afrika angesehen und fotografiert.

Ebenso habe ich die außergewöhnliche Kultur Abessiniens kennengelernt.

In den Simien Mountains war ich auf über 4000 m wandern und habe Brustpaviane und den äthiopischen Wolf gesehen.

In der Gherala-Region habe ich zusammen mit meiner deutsch-österreichischen Reisegruppe die geheimnisvollen Felsenkirchen in den Sandsteinbergen erklettert.

Zurück bleiben wunderschöne Erinnerungen an die atemberaubende Landschaft und Menschen im Osten Afrikas.

Und natürlich Erfahrungen, die ich in meinem Reisebericht über Äthiopien teilen möchte, um euch ein paar wertvolle Tipps zur eurer bevorstehenden Reise zu übermitteln.

Bevor es weitergeht, schaut euch doch kurz meinen Teaser über Äthiopien an, um einen ersten Eindruck über das Land zu bekommen.

Der passende Reiseführer

Folgenden Reiseführer kann ich im Vorfeld eurer Äthiopien-Reise empfehlen.

Touristen-Visum für Äthiopien

Ein elektronisches Touristen-Visum (eVISA) könnt ihr auf der Webseite des Main Department for Immigration and National Affairs der Republik Äthiopiens lösen.

Das Visum konnte ich mittels Pay-Pal bezahlen (ca. 90 Euro) und ich bekam es bereits ein paar Stunden später per E-Mail als PDF zugesendet. Den Ausdruck habe ich mit auf die Reise genommen.

Das Visum kann in Addis Abeba bei der Ankunft auch direkt gelöst werden. Es ist jedenfalls Vorort billiger und einen großen Gewinn bei der Wartezeit beim Einreisen hatte ich mit dem eVISA auch nicht, da nur ein einzelner Flughafenmitarbeiter dafür abgestellt war.

Ich würde das Visum daher einfach direkt am Flughafen lösen und mir das eVISA im Vorfeld sparen.

Geldwechseln in Äthiopien

Geldwechseln in Äthiopien

Geldwechseln in Äthiopien

Die Landeswährung in Äthiopien ist der äthiopische Birr. Ein Euro entspricht ungefähr 35 Birr (Stand Anfang 2020).

Die höchste Banknote sind 100 Birr. Ebenso gibt es Scheine für 50, 20, 10 und 5 Birr, sowie Münzen für einen Birr.

Geldwechseln könnt ihr in den meisten Hotels, wo auch gelegentlich Geldautomaten stehen. Dort könnt ihr dann auch mit Kreditkarte oder Bankomatkarte abheben.

Ich habe gleich am Flughafen gewechselt.

Wenn ihr 100 Euro wechselt, bekommt ihr bereits einen Haufen Geldscheine (siehe Bild oben), die womöglich nicht alle in eure Geldbörse passen.

Ich habe für 300 Euro gewechselt, was für zwei Wochen Essen und Reiseverpflegung eindeutig zu viel war.

Ein Essen kostet maximal 300 Birr inklusive Getränke. Traditionelles äthiopisches Essen ist weitaus billiger.

Falls ihr allerdings Trekkingtouren in den Bergen Vorort buchen möchtet, kann es schon teurer werden. Bei meiner Reise waren diese Gebühren bereits inkludiert.

Übrigens dürft ihr nicht mehr als 200 Birr aus Äthiopien ausführen.

Stellt euch darauf ein, dass manche Geldscheine ziemlich kaputt, abgegriffen und eklig sein können, also ab und zu nach dem Angreifen Hände desinfizieren!

Trekking-Ausrüstung für die Berge Äthiopiens

Simien Mounatins Nationalpark

Reisebericht Äthiopien – Simien Mountains Nationalpark

Prinzipiell benötigt ihr für das Wandern in den Bergen dieselbe Ausrüstung wie in den Alpen. Ich würde jedoch vorschlagen, dass ihr alle Utensilien in Packsäcken im Rucksack verstaut.

Die Packsäcke haben mir beim Campen in den Bergen wirklich sehr geholfen. Die benötigten Ausrüstungsgegenstände sind so im schwachen Licht der Stirnlampe abends im Zelt problemlos zu finden.

Nehmt euch beim Trekking im Simien-Nationalpark auf jedenfalls einen guten Schlafsack (Komfortbereich -5 Grad) und eine Isomatte mit. Ebenso auch warmes Gewand!

Die Nächte können auf über 3000 m richtig kalt und unbequem werden.

Steckdosen

Alle Steckdosen, die ich während meines zweiwöchentlichen Aufenthaltes verwendet habe, waren mit dem in Europa sehr weit verbreiteten Steckdosentyp F kompatibel.

Ihr braucht also meines Wissens keinen extra Adapter mitzunehmen.

Einmal hängte jedoch ein Badezimmerkasten so, dass er den halben Teil der Steckdose verdeckt hat!

Steckdosen im Äthiopien

Steckdosen

Internet und WLAN in Äthiopien

Die meisten Hotels bieten kostenfreies WLAN an. Leider hat es in den seltensten Fällen funktioniert.

Problemloses Surfen im Internet war kaum möglich, allerdings hat es für ein paar Whats-App Nachrichten trotzdem gereicht.

Selten hat jedoch der Bilderversand mit Whats-App funktioniert, dazu musste ich mir im App-Store vorher ein VPN-App herunterladen.

Kultur im Norden von Äthiopien

Der Norden Äthiopiens hat kulturell sehr viel zu bieten.

Die klassische Äthiopien Tour führt euch zunächst zu den bekannten Felsenkirchen von Lalibela (UNESCO-Weltkulturerbe).

Georgs-Kirche Lalibela

Georgs-Kirche (Bete Gyorgis) – Die bekannteste Felsenkirche in Lalibela

In der Königsstadt Gondar gibt es den bekannten Kaiserpalast und das Wasserschloss zu besichtigen.

Palast des Kaisers in Gondar

Palast des Kaisers Fasilidas in Gondar

In Aksum stehen die berühmten Stelen, die als ein Wahrzeichen von Äthiopien gelten.

Ebenso ist Aksum für die äthiopisch-orthodoxe Kirche eine heilige Stadt, in der dir Kirche der Heiligen Maria von Zion lokalisiert ist.

Stelenpark in Aksum

Stelenpark in Aksum

Essen in Äthiopien

Traditionelle äthiopische Küche

Essen in Äthiopien

Essen in Äthiopien

Ich kann euch wirklich sehr empfehlen, die traditionelle äthiopische Küche in all ihren Facetten zu probieren.

Grundnahrungsmittel ist das Injera, ein weiches Fladenbrot aus Sauerteig, das aus Teffmehl, dem wichtigsten Getreide Äthiopiens, hergestellt wird.

Als klassisches Gericht wird Injera mit einer gewürzten Bohnensauce, dem Tagamino, serviert.

Oft dient Injera auch als reichhaltige Beilage für scharfe Fleischgericht mit Lamm- und Rindfleisch, den sogenannten Tibs, die ich wirklich ausgezeichnet schmeckten.

Traditionelle Äthiopische Speisen – Tagamino (links) und Tips (rechts)

Gemüse, Fleischgerichte und Früchte

In den Hotels bekommt man viele vegetarische Speisen, vor allem Gemüse und Hülsenfrüchte.

Fleischgerichte haben oft Knochen und das Rindfleisch kann schon etwas zäh sein. Frische Lammgerichte sind aber sehr köstlich.

Ebenso ist das Frühstück reich an Speisen mit Eiern und an frischen Früchten wie Papayas, Melonen, Bananen und Avocados, die oft auch als Fruchtsäfte serviert werden.

Anpassung an die Höhe

Ras Dashen

Ras Dashen (4533 m) – Der höchste Berg Äthiopiens (links im Bild)

Wenn ihr in den Simien Mountains zum Wandern unterwegs seid, ist es sehr vorteilhaft, wenn ihr euch langsam auf die Höhe vorbereitet.

Die oft bestiegenen Gipfel sind über 4000 m hoch und die Höhe kann euch unakklimatisiert schon ordentlich zusetzen.

Wenn ihr in Addis Abeba landet, seid ihr bereits auf über 2500 m.

Vorab ein paar Kulturausflüge in Norden Äthiopiens und eine langsame Anreise ins Simien Gebirge, ermöglicht euch eine langsame Akklimatisierung.

Trinkt beim Trekking viel Wasser und geht es beim Wandern langsam an, dann gibt es in der Höhe in der Regel keine Probleme.

Schutz vor der Sonne

Sonnenschutz in Äthiopien

Gut geschützt vor der Sonne in Äthiopien

Trekking in Äthiopien bedeutet stundenlanges Wandern in der ungeschützten Sonne Afrikas. Nur selten könnt ihr den Schutz des Schattens suchen. Im Tagesverlauf heizt sich die Landschaft ganz schön auf.

In der Gheralta-Region wird die Hitze zusätzlich noch vom Sandsteingebirge reflektiert.

Schützt also eure Haut- und Kopfbereiche mit einem Sonnenhut oder Tuch. Deckt vor allem auch euren Nacken ab und verwendet eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50.

Beim Trekking solltet ihr mindestens 2-3 Liter Wasser pro Tag zu euch nehmen.

Rund ums Thema Gesundheit

Impfungen Äthiopien

Bevor ihr nach Äthiopien reist, solltet ihr einen Reisearzt kontaktieren. Ich habe folgende Infos von meinem Arzt bekommen und bin als Mikrobiologe mit diesem Thema sehr vertraut (Stand Anfang 2020).

Impfungen gegen Hepatitis A und B, Tetanus, Diphtherie und Polio solltet ihr sowieso auch in Europa haben.

Eine Typhus-Impfung ist für Äthiopien anzuraten, ebenso wurde ich gegen die in Afrika weit verbreiteten Meningokokken-Stämme (ACW) geimpft.

Für einen Kurzaufenthalt im Norden war laut meines Arztes keine Gelbfieberimpfung notwendig, klärt das aber bitte mit eurem Arzt ab. Bei Langzeitaufenthalten bzw. bei Aufenthalten in anderen Teilen des Landes ist die Impfung allerdings anzuraten.

Auch eine Tollwut-Impfung kann beim Trekking sehr ratsam sein. Seid ihr nicht geimpft und werdet von einem wilden Tier gebissen, dann sollte ihr so schnell wie möglich ein Spital aufsuchen  oder nach Hause reisen, damit die Impfungen innerhalb von 48 h nachgeholt werden können.

Denkt daran, dass die Tollwut beim Menschen immer tödlich endet.

Malaria

Äthiopien ist ein Malaria-Land, vor allem unter 2500 m. Ich hatte Malarone als Stand-by-Medikament mit, was ich auf jeden Fall empfehlen würde.

Bekommt ihr nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet nach der Inkubationszeit von 8 Tagen (oft auch länger) höheres Fieber, dann müsst ihr Malarone auf jeden Fall einnehmen.

Am Tanasee in Bahir Dar gibt es viele Mosquitos und die Tropenärzte sehen diese Region prinzipiell als Malariagebiet, wobei die Einheimischen meinen, dass es hier keine Malariaparasiten gibt.

Ihr könnt euch ebenso mit einem Repellent mit dem Inhaltsstoff Deet (zB mit dem Produkt Nobite) recht gut schützen und unter einem Mosquitos-Netz schlafen.

Bilharziose

Der Tanasee ist außerdem mit Bilharziose-Erregern verseucht. Bitte denkt dort nicht im Traum daran schwimmen zu gehen.

Die Erreger dringen über die Haut ein und vermehren sich in den Venen des Menschen. Die produzierten Eier können die Organe (vor allem Leber und Blase) schädigen.

Tanasee Äthiopien

Leider voller Parasiten – Tanasee im Norden Äthiopiens

Vermeiden von Reisedurchfall

Ungefähr 80% der Mitreisenden in meiner Gruppe hatten Probleme mit dem Magen, allerdings keine schwerwiegenden Erkrankungen mit Fieber, sondern einfach unkomplizierten Reisedurchfall.

Ich bin unbeschadet davongekommen. Meine Taktik war, dass ich auf ungeschälte Früchte und traditionelle Speisen in unhygienischen Küchen verzichtet habe und nur gekochte Speisen zu mir genommen habe.

Am Tag der Abreise habe ich angefangen, jeden Tag eine Kapsel Bioflorin zu nehmen. Dadurch habe ich sichergestellt, dass Krankheitserreger kaum eine Chance haben sich auszubreiten, da die natürlichen Darmbakterien in den Kapseln mengenmäßig im Darm in der Überzahl waren.

Bei mir hat es wirklich gut funktioniert!

Menschen und Armut

Bettelnde Kinder Äthiopien

Bettelnde Kinder – Armut ist leider allgegenwärtig

Äthiopien ist ein armes Land. Die Armut der Menschen ist auf der Reise allgegenwärtig. Steigt ihr aus eurem Reisebus aus, seid ihr sofort von einer Schar von bettelnden Menschen, meist Kindern, umgeben.

Ihr helft den Kindern leider auch nicht, wenn ihr ihnen Geld oder Waren gebt. Das fördert nur weiteres organisiertes Betteln und unter den Kindern bricht sofort Streit aus. Wir haben das alles hautnahe miterlebt.

Sehr oft kommen auch Händler auf euch zu, die euch ihre Waren anbieten. Die bettelnden Menschen und Händler sind sehr hartnäckig und lassen nicht so schnell von euch ab.

Schläft ihr beim Trekking im Zeltlager, werden Guides bezahlt, die auf eure Wertsachen aufpassen.

Das sollte euch auf jeden Fall bewusst sein, wenn ihr nach Äthiopien reist.

Zum Thema Sicherheit

Reisewarnungen für Äthiopien

Ich bin sicher kein Experte, um die Sicherheit in Äthiopien einschätzen zu können, jedoch kann ich euch über meine Erfahrung während meines zweiwöchentlichen Aufenthaltes berichten.

Das Außenministerium bzw. das Auswärtige Amt gibt immer wieder partielle Reisewarnungen für bestimmte Regionen in Äthiopien heraus. Diese Warnungen sollte man auf jeden Fall ernst nehmen.

Es kann immer wieder zu Konflikten zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen kommen.

Vorort im Norden Äthiopiens habe ich das allerdings nicht erlebt und unser äthiopischer Reiseführer meinte, dass es derzeit auch im konfliktreichen Süden ruhig ist (Stand Anfang 2020).

Ich kann jedenfalls empfehlen, immer die aktuellen Daten der Behörden abzurufen (siehe Links oben) und euch auch beim Reiseanbieter vorab zu informieren.

Nachts auf der Straße

Unsere Guides haben es vermieden, dass wir nachts mit dem Bus unterwegs waren. Es gibt selten Straßenbeleuchtung, das Fahren in der Nacht ist gefährlich und es können schnell Unfälle passieren.

Ebenso ist es ratsam, nachts nicht auf die Straße zu gehen. Bleibt besser im Hotel und erledigt eure Sachen immer Untertags!

Diebstahl

Kurz vor unserem Abflug, wurde unsere Reisegruppe von Taschendieben überrascht, nachdem wir in einem äthiopischen Restaurant in Addis Abeba essen waren.

Die Taschendiebe gaben sich als vermeintlicher Händler aus. Sie kamen ungewöhnlich nahe an uns heran und hielten dann kurz die Arme des Diebstahlopfers fest, während ein Täter in die Hosentasche griff, um ein Handy zu stehlen.

Alles passierte in einem Bruchteil einer Sekunde.

Wir konnten den Diebstahl allerdings sehen und den Täter stellen. Der Täter hat das Handy nach dem Diebstahl sofort im Gestrüpp fallen gelassen, um es nachher zu holen. So schleppt er das Diebesgut nicht mit sich herum und keiner kann ihm etwas anhaben.

Das Handy haben wir Gottseidank wiederbekommen.

Seid achtsam und verstaut eure Sachen nicht in der Hosentasche, oder an anderen leicht zugänglichen Orten.

Seid sofort misstrauisch, wenn fremde Leute euch zu nahe kommen. Bettelnden Menschen und Verkäufer halten meist (aber nicht immer) Abstand. Kommt wer zu nahe oder greift euch an, müsst ihr sofort an einen Diebstahl denken und dementsprechend schnell agieren.

Ansonsten aber sicher

Sicher müsst ihr aufpassen, aber ich würde Äthiopien nicht als ein für Touristen unsicheres Land ansehen. Zumindest nicht nach meinen Erfahrungen. Im Wesentlichen waren wir eigentlich immer sicher unterwegs.

Untertags beim Einkaufen in den Shops wurden wir immer sehr ehrlich und korrekt behandelt!

Reisebericht Äthiopien – Mein Fazit

Ich hoffe, dass ich euch mit dieses Tipps und Erfahrungen im Vorfeld zu eurer Äthiopien-Reise helfen konnte.

Äthiopien ist ein faszinierendes Land mit unglaublich viele Facetten was Menschen, Landschaft und Kultur betrifft.

Wollte ihr mehr über Äthiopien wissen, dann freue ich mich, wenn ihr bei meinen Reiseberichten (folgen demnächst) vorbeischaut und mir einen Kommentar hierlässt.

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