Kailash Umrundung – Der Weg zur Erleuchtung

Kailash Umrundung Tibet

Kailash Umrundung

Nordseite von Cho Oyu und Shishapangma

Bevor wir die Stadt Darchen am Fuße des Kailash erreichen, haben wir noch zwei Tage Busfahrt Richtung Westen Tibets zurückzulegen. Am Tag nach dem Everest Basecamp bin ich total apathisch und mir geht es körperlich aufgrund der Höhe gar nicht gut. Zunächst bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich die Kailash Umrundung überhaupt machen soll.

Schade eigentlich, denn die Fahrt vom Everest Bascamp zu unserem nächsten Ziel, der Stadt Saga, ist landschaftlich wirklich beeindruckend. Zunächst passieren wir die Nordseite des Cho Oyu (8201 m) und dann kommen wir ziemlich nahe an dem einzigen 8000er, der komplett in Tibet steht, vorbei, der Shishapangma.

Shishapangma Nordseite Tibet-1

Shishpangma – der einziger 8000er der vollständig in Tibet steht

Von der Ebene des tibetischen Hochlandes schießen die hohen Berge des Himalaya-Hauptkamms in die Höhe, was die Gipfel extrem imposanter wirken lässt.

Von Saga nach Darchen zum Kailash

An einem großflächigen See zweigen wir von der Hauptstraße Richtung Norden ab und erreichen über eine unbefestigte Straße in einer etwas mühsamen und staubigen Fahrt die Stadt Saga. Die Stadt ist wenig spektakulär, aber die Übernachtung im Gästehaus in Ordnung und das Essen abends ganz gut.

Am nächsten Tag haben wir nun die letzte knapp 500 km lange Etappe zum Kailash vor uns. Hier in Westtibet befinden wir uns in der beeindruckendsten Landschaft unserer Reise. Der Himalaya-Hautpkamm mündet hier nahtlos in die Einöde der tibetische Hochebene.

Tibetische Hochebene

Weitläufiges Panorama des Tibetischen Hochlandes

Die Landschaft wirkt karg, aber einzigartig und auch das eine oder andere Tier läßt sich in der Hochbene blicken. Immer wieder durchziehen Seelandschaften die Steppe des Hochlands.

Gurla Mandhata

Gurla Mandhata und Manasarovar See

Im Süden taucht der imposante Gurla Mandhata auf, der mit 7674 m höchster Berg dieser Region. Er liegt am Fuße des heiligen Manasarovar See, den wir später noch besuchen werden.

Kailash Nordseite

Sieht man nur von der Ferne – Kailash Südseite

Wir stoppen an einem Pass für eine kurze Pause. Wir sind nun fast an unserem Ziel angekommen und haben nun auch den ersten Blick auf die komplette Südseite den heiligen Kailash, die man weder während der Umrundung des Berges noch in der Stadt Darchen vollständig zu Gesicht bekommt.

Kailash Umrundung – ein paar Fakten

Der Kailash ist für vier Religion ein heiliger Berg: für Buddhisten, Hindus, der alt-tibetischen Bön-Religion und der alt-indischen Jain-Reigion. Der Gipfel selbst darf nicht bestiegen werden, Bergsteigen ist am Kailash absolut tabu.

Wer die Kora, also die Umrundung, 108-mal schafft hat Zugang zu der inneren Kora und erlangt nach buddhistischer Lehre unmittelbare Erleuchtung. Insgesamt ist die Umrundung des Kailash 53 km lang und führt über einen gut 5600 m hohen Pass, der mit Sicherheit die Schlüsselstelle der Kailash Kora ausmacht.

Angekommen in Darchen auf 4500 m bereiten wir uns auf die Kora vor. Die kleinen Stadt ist überschaubar und nett, man kann ganz gut essen, ein paar Souvenirs wie Gebetsfahnen einkaufen und den tollen Blick auf den Gurla Mandhata genießen. Wir übernachten abermals in einem einfachen Gästehaus.

Kailash Trekking – Endlich geht es los

Früh morgens werden wir von einem kleinen Bus abgeholt, der uns über ein unasphaltierte Straße zum Startpunkt im Westen des Kailash bringt. Hier im Schatten des Berges ist es bitterkalt und die Gebirgsbäche noch gefroren. Wir beginnen mit langsamen Schritten, denn Eile ist hier auf über 5000 m Höhe nicht ratsam.

Der erste Tag der dreitägigen Kailash Kora ist von der Wegstrecke wenig fordernd. Wir haben heute nur 8 km und relativ wenig Höhenmeter zurückzulegen. Jedoch ist das Wandern auf 5000 m Höhe was ganz anderes als in den Alpen. Wir müssen es langsam angehen, sonst ist die Puste gleich weg.

Der Weg ist wenig schwierig uns führt uns an der Nordwestseite des heiligen Berges vorbei, der wie ein unbezwingbarer Wall neben uns imposant in die Höhe schießt.

Hier ist einiges los! Die Pilger verschiedenster Religionen versammeln sich hier und sind sowohl zu Fuß, mit dem Pferd, mit dem Motorrad oder auch am Boden unterwegs.

Die unterschiedlichsten Fortbewegungsarten der Pilger am Kailash

Kurz vor dem Teehaus, in dem wir die kommende Nacht verbringen wollen, verlassen mich meine Kräfte und die Höhe macht sich bemerkbar. Schon bei der kleinsten Anstregung wird mir schwarz vor den Augen. Meine deutschen Freunde Nicole und Bernhard helfen mir und wir schreiten zusammen langsamer voran, indem wir alle zehn Schritte eine Pause einlegen.

Beim Teehaus angekommen machen wir eine kleine Rast und ich lege mich kurz nieder, ohne zu schlafen. Danach steigen wir noch ca. 100 Höhenmeter auf, um uns noch ein wenig zu akklimatisieren. Wir befinden uns am besten Aussichtspunkt auf die Nordseite des Kailash.

Einfach unglaublich – Kailash Nordseite

Dolma La Pass – Der höchste Punkt der Tibetreise

Die Nacht ist natürlich in dieser Höhe abermals mies und laut, denn im Teehaus haben sich zahlreiche Pilger versammelt, die leider keine Rücksicht auf die nächtliche Ruhe nehmen. Ich trage es mit Fassung, denn mit Schlaf habe ich hier sowieso nicht gerechnet. In der Früh würge ich mein Frühstück herunter und es kann nun mit dem anstrengendsten Tag der Reise losgehen.

Wir werden heute den Dolma La Pass erreichen, den mit 5600 m höchsten Punkt unserer Tibetreise. Nach den ersten Schritten am frühen morgen merke ich, dass es mir nicht so schlecht geht. Wir steigen zunächst sanft bergauf und erreichen bald ein Teehaus, wo wir eine kurze Rast einlegen.

Teehaus am Weg zum höchsten Punkt des Kailash Trekking

Hier wird es nun alpiner, so wie ich mir den Himalaya auf über 5000 m vorgestellt habe. Eis und Schnee begleiten nun den Aufstieg. Der Weg wird steiler und beschwerlicher. Der Kailash zeigt uns zuletzt nur mehr seine östlichste Seite, um danach komplett zu verschwinden und auf der verbleibenden Kora auch nicht mehr aufzutauchen.

Am Wegrand sind zahlreiche Gebetsfahnen angebracht, die stetig mehr werden, je näher wir dem Pass kommen. Wir müssen nach ein paar Schritten bergauf wieder stehenbleiben und kräftig durchatmen. Die Luft ist hier schon ziemlich dünn.

Aufstieg zum Dolma La Pass – Gehen, stehen und durchatmen

Jede Qual hat ein Ende und irgendwann geht der Weg dann nicht mehr höher. Über ein zuletzt steiles Wegstück sind wir am Dolma La Pass auf 5600 m angekommen und befinden uns in einem Meer von Gebetsfahnen am höchsten Punkt der Kailash Umrundung.

Was für ein magischer Ort! Wir halten kurz inne und sind überglücklich, den beschwerlichen Weg gemeistert zu haben. Wir bringen selbst auch Gebetsfahnen an uns werfen kleine Gebetspapiere in die Luft.

Ein sehr stimmiges Ritual, das hier am Kailash schon eine einzigartige Bedeutung hat und eine stark spirituelle Stimmung auslöst.

Am Dolma La Pass – Der höchste Punkt der Kailash Umrundung

Bergab geht es über einen gefrorenen See zu einem Teehaus, wo wir abermals eine Pause einlegen. Ich bin schon ziemlich kaputt, aber wir haben bis zu unserem Gästehaus noch 12 beschwerliche Kilometer zurückzulegen.

Angekommen am Schlafplatz essen wir noch etwas und ich falle total entkräftet in einen komatösen Schlaf. Was für ein anstrengender Tag! Es war aber wirklich ein unglaubliches Erlebnis.

Der letzte Tag der Kailash Kora

Der dritte und letzte Abschnitt der Kailash Umrundung ist kurz und wenig schwierig. Auf einem gut befestigten Weg treffen wir auf ein paar tibetische Pilger, von denen wir ein paar Fotos machen und sie ihnen zeigen. Sie sind sehr herzlich und besten gelaunt und lachen, wie sie die Fotos sehen.

Alte Tibetet

Liebenswerte Tibeter

Über den heiligen Berg gibt es natürlich zahlreiche Sagen. Buddha selbst soll ja in dieser Region gewesen sein und seine Fingerabdrücke hinterlassen haben, die man an Steinen am Wegrand sehen soll.

Buddahs Fußabdrücke Kailash-1

Buddhas Fußabdrücke ?

Auch der große Tantra Meister Milarepa soll hier einen spirituellen Kampf mit einem Meister der Bön-Religion ausgetragen haben. Während dieses Kampfes verlor der Bön-Meister seine Trommel am Weg zum Gipfel des Kailash. Die Spuren der Trommel sind an der Südseite des Berges in Form eine langgezogenen Rinne noch heute sichtbar.

Am Wegrand passieren wir auch ein paar sehr interessante Gebetssteine, die in einer sehr mühevollen Arbeit angefertigt und gefärbt wurden. Bald taucht gegenüber der Gurla Mandhata wieder auf. Der Weg nach Darchen ist nun nicht mehr weit und wir kommen gegen mittags in der Stadt an.

Die Kailash Umrundung ist nun zu Ende!

Tibetische Gebetssteine

Tibetische Gebetssteine

Unendliche Ruhe am Manasarovar See

Wir verbringen nach der Kailash Umrundung eine weiter Nacht in Darchen und machen uns am nächsten Tage auf, um nach Lhasa zurückzukehren. Früh am Morgen besuchen wir noch den Manasarovar See, der sich nicht weit von Darchen befindet.

Er ist ein weiteres Heiligtum der Hindus und Buddhisten. Ein magischer Ort, denn in der Früh im warmen Licht des Sonnenaufgangs ist der See noch teilweise gefroren. Eine besondere Aura umhüllt den heiligen See. Zahlreiche Vögel haben sich hier an der Wasseroberfläche versammelt.

Folgendes Foto habe ich vom Manasarovar See geschossen, das diese einzigartige Stimmung wirklich gut eingefangen hat. Es strahlt einfach unglaublich viel Ruhe aus.

Manasarovar See

Der heilige Manasarovar See

Eine unglaubliche Reise geht zu Ende

Über die nepalesische Grenze, wo sich die Reisegruppe teilweise trennt fahren wir die gut 1200 km zurück nach Lhasa und treten danach unsere Heimreise an.

Was soll ich sagen, Tibet ist einfach großartig! Eine Ort der berührt. Auch wenn die Höhe wirklich eine physische Herausforderung darstellt, muss man muss einfach hier gewesen sein.

Die Menschen und das Land zu spüren, die Klöster, den Potala Palast gesehen zu haben und einmal unter dem Mount Everest zu stehen und den heiligen Kailash zu besuchen berührt einem einfach. Ich werde nicht mehr nach Tibet zurückkehren, denn wenn etwas so perfekt war, sollte man es gut sein lassen und sich dieses Abenteuer für immer konservieren.

Hier beende ich meinen Reisebericht und kann Euch einfach nur empfehlen, einmal im Leben nach Tibet zu reisen.

Stefan Tibet-1

Einer der zahlreichen schönen Momente in Tibet – Mount Everest, Lhotse und ich 🙂

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